Zero Waste Home –

zwhbuch

 

ein Buch, dass wirklich jeder gelesen haben sollte.

Ich habe mehrmals begonnen, zu versuchen eine Rezension über dieses Buch zu schreiben, habe aber jedes Mal abbrechen müssen, weil ich einfach nicht in Worte kleiden konnte, was mit mir durch dieses Buch geschehen ist.

Das ist nicht einfach irgendeine Lektüre – das Lesen dieses Buches war für mich ein Lebenseinschnitt. Mein vorheriges Leben war schlagartig beendet und ich habe mich mehrere Wochen in einer „Seins-Krise“ befunden. Ich hatte immer gedacht, ich hätte das beste aus meinem Leben heraus geholt, da ich nun vegan lebte, meine Träume in Realität umsetzte und mir das Leid von Kaffeebauern und bangladesischen Näherinnen genau so sehr am Herzen lag, wie mein Veganismus. Es hatte für mich alles die gleiche Priorität und ich recherchierte bereits in allen Bereichen, um Lösungen zu finden.

Und dann kam dieser eine Tag im Februar, ich beschäftigte mich bereits in der Theorie seit einigen Monaten mit dem Thema Minimalismus und war einfach so gefrustet, weil ich bereits mehrmals das Kinderzimmer entmüllt hatte, wieder und wieder meinen Arbeitsplatz aufgeräumt hatte und trotzdem überall von vollkommen überfüllten Schränken und sich selbstständig machendem Spielzeug umgeben war. Unsere Wohnung war so groß, als wir eingezogen waren. Und nun war sie so klein! Ich konnte vierundzwanzig Stunden am Tag aufräumen und war immer noch nicht fertig! Wozu das ganze Zeug, das niemand in die Hand nahm? Und dann die Küchenschränke! Voll mit Geschirr, Ziertellerchen, Ausstechförmchen und endlos lang haltenden Lebensmitteln.

Ich weiß nicht mehr genau was ich in die Suchmaschine eingab, ich glaube es war irgendwas mit Minimalismus und Veganismus. Und darauf fand ich diesen Blogbeitrag von Shia. Sie schreibt hier über ihre eigenen Gedanken und die sich daraus ergebenen Recherchen zum Thema Müll und Müllvermeidung. Und vor allem schreibt sie hier über Bea Johnson. Bea Johnson ist die Lifestyleleaderin des Zero Waste Lifestyle.

Zero Waste? Was genau…? Hä?

Zero Waste ist eine Bewegung, in der man minimalistisch lebt und keinen Müll produziert.

Bea Johnson lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen mitten in San Francisco in einem kleinen weißen Haus, das minimalistischer ausgestattet nicht sein könnte. Man mag vielleicht als erstes denken, dass dies langweilig ist und das es sich auch nur wieder um so eine Ökobewegung handelt, bei der die Leute sich nicht waschen und Jesuslatschen tragen. Vielleicht tun das auch einige. Aber das was Bea Johnson da macht, sieht einfach nur ansprechend und stylisch aus!

Ihr Lebenskredo ist das einhalten der fünf R’s: Refuse (ablehnen), Reduce (reduzieren), Reuse (wiederverwenden/reparieren), Recycle (recyceln), Rot (kompostieren). In dieser Reihenfolge. Was sie nicht verpackungsfrei bekommt, das kauft sie nicht. Sie hat in ihrem Buch sogar geschrieben, sie würde sich nicht einmal neue Haargummis kaufen, da sie sie nicht einzeln und nicht unverpackt bekommt. Und es stört sie auch überhaupt nicht ohne zu leben.

Sie hat alles Unnötige aus ihrem Haus verbannt: Golfschläger, zu viele Schälmesser, Kleidungsstücke, Möbel… Sie haben nur noch was sie wirklich benötigen. Es gibt hierzu eine sehr eindrucksvolle Videoreihe auf Youtube.

Ich empfinde sie als sehr inspirierend. Ihre Kosmetika stellt sie selbst her, zum Waschen, nutzt sie Seife am Stück, die sie unverpackt kaufen kann. Kleidung kauft sie nur zweimal im Jahr, second hand, und Lebensmittel kauft sie komplett unverpackt ein.

Im Februar diesen Jahres, habe ich begonnen unseren Haushalt auf einen Zero Waste Haushalt umzustellen. Leider ist mir das bis heute nicht ganz gelungen. Mein Mann und meine Kinder haben absolutes Verständnis für meinen neuen Lebenswandel und sie möchten auch wirklich gerne mitmachen, aber sie scheitern vor dem ersten R: Refuse. Ich kann es ihnen nicht verübeln. Sie leben nun seit zwei Jahren vegan und kommen immer wieder in Situationen in denen sie erstmal den veganen Lebensstil erklären müssen. Und ich muss sagen, unser Bekanntenkreis kommt damit insgesamt sehr gut zurecht. Auch die neuen Eltern, die wir durch den Wechsel in den neuen KiGa und die Schule kennen gelernt haben, haben sich umgehend darauf eingestellt. Die meisten wissen inzwischen, welche Süßigkeiten, Knabberkram und sonstige Lebensmittel verzehrbar sind. Wenn sie sich nicht sicher sind, erhalte ich fotografierte Zutatenlisten per Whatsapp zum Absegnen. Doch auch diese Umstellungen dauern. Unser Kleiner begreift jetzt erst richtig, dass er ständig was anderes zu essen bekommt, als die anderen Kinder und der Große lernt immer wieder neue Süßigkeiten kennen, bei denen erstmal abgeklärt werden muss, ob sie gegessen werden dürfen oder nicht.

Kurzum, meine Kinder sind bereits in dieser Hinsicht Außenseiter. Sie kommen jedoch gut damit klar. Das Umfeld allerdings nicht. Das hat grade erst verdaut, dass dieser Veganismus keine Phase ist, sondern für uns echt eine körperliche Notwendigkeit. Warum man jetzt auf Verpackung verzichten soll, und wie meine Kinder dann auf Besuchen bewirtet werden sollen, wenn man hier in der Nähe nirgends unverpackt einkaufen kann… Nunja. Das ist tatsächlich eine Hürde, die ich niemandem zumute. Vorerst.

Aber meine Lieben wollen es auch von sich aus nicht so ganz. Es gibt eine Reihe von Fastfood – und Ersatzprodukten, sowie Süßigkeiten und Knabberkram, und Eis, die sie als absolut unverzichtbar ansehen. Und mein Mann kann sich einfach nicht von seinem Bionella trennen.

Also habe ich mich dazu entschlossen, diesen Weg allein zu gehen. Das sieht dann in der Praxis so aus: Am Markttag kaufe ich den Großteil unserer Lebensmittel auf dem Markt, ich orientiere mich überwiegend an den Produkten die unser Verkäufer aus eigenem Anbau hat, oder an dem was aus der Region kommt. Jedoch keine Illusionen hier: Ich kaufe auch Bananen, Orangen, Mandarinen, Zitronen/Limetten und hin und wieder Melonen und Ananas. Brot kaufen wir bei unserem dorfeigenen Bäcker, ebenfalls unverpackt. Und das wars für mich in der Wochenroutine. Mein Mann kauft dann noch im Supermarkt den Rest, auf den die drei nicht verzichten wollen. Einmal im Monat fahren wir zusammen (oder mein Mann erledigt das allein, wenn er sowieso beruflich in Kiel zu tun hat) nach Kiel in den unverpackt-Laden von Marie Delaperrière. Dort erhalten wir alle losen Waren, die wir sonst noch brauchen: Öl, Mehle, unterschiedliche Getreidflocken, Müslis, Salze, Gewürze, Backwaren, Zucker, Ahornsirup, unterschiedliche Nüsse, unterschiedliche Hülsenfrüchte, unterschiedliche Getreidesorten, Tees, Süßigkeiten (ja sogar einige vegane), gesalzene, geröstete Nüsse, Shampooseife, Spülmittel…

Vor drei Wochen habe ich nun den Schlussstrich gezogen und mich in dieser Hinsicht auf ganzer Linie von meiner Familie abgetrennt. Ich koche nun für mich allein, wer mitessen will, darf das, und sonst gibts für die Familie was Anderes. Und natürlich gestalte ich es so, dass ich nicht mehr Aufwand dadurch betreiben muss. 😉 Einige Verpackungssünden werde ich trotz allem noch begehen: Ich werde weiterhin meinen Bio-fairtrade-Kaffee in der Plastikverpackung kaufen, Geschirrspülmittel muss ich weiterhin konventionell kaufen und vermutlich auch Bratöl. Das Öl, dass ich im unverpackt-Laden bekomme ist dafür leider nicht so gut geeignet. Aber ich denke auf lange Sicht, werden sich hier auch noch Lösungen finden. Wie genau ich zukünftig mit veganer Butter und Tofu verfahren werde, weiß ich noch nicht. Fakt ist, auf Tofu will ich keinesfalls verzichten, bekomme ihn jedoch nicht unverpackt und vegane Butter möchte ich hin und wieder einfach noch auf dem Brot haben. Ob ich ganz drauf verzichten werde, weiß ich noch nicht.

Das solls fürs Erste zu diesem Thema sein. Der Beitrag ist ja nun auch echt lang genug geworden… Wer trotzdem noch weiterlesen will, wird hier fündig:

  1. Hier findet ihr Shias Blog zum Thema Zero Waste: wastelandrebel
  2. Der wunderschöne Unverpackt-Laden in Kiel: unverpackt-kiel
  3. Die Queen der Zerowastebewegung: Zero Waste Home
  4. Die deutsche Zero Waste-Familie: Zero Waste Familie
  5. Olga von Zero Waste-Lifestyle: Zero Waste Lifestyle
  6. Und hier noch Lauren’s Blog: trashisfortossers

8 Kommentare

  1. Hallo Ilka,
    man kann Tofu einfach aus Sojamilch die man auch einfach selber machen kann machen. Mein Mann hat mir eine Tofupresse gebaut. Man kann selbst eintscheiden wie fest man den Tofu mag, je nachdem wie wieviel Nigari man dazu gibt (für Nigari mal im japanischen Restaurant nachfragen, die haben das ev offen, ich habe es mir im Internet bestellt, allerdings war es verpackt, die Menge reicht aber für Jahre, daher fand ich das echt ok.
    Wenn man seinen eigenen Tofu macht kann man auch alle möglichen Gewürze etc rein tun.
    Das einzige das ich nicht kann ich Räuchertofu, dafür habe ich leider auch noch keine Alternarive gefunden!
    LG Daniela

    • Hi Daniela,

      du machst Tofu tatsächlich selber? Das finde ich unheimlich interessant! Ich habe lange darüber nachgedacht,
      ob wir das auch machen sollten. Am Ende habe ich mich dagegen entschieden, da wir uns einerseits sehr vom Tofu
      weg gelebt haben, und ich andererseits eben weder Nigari noch Sojabohnen unverpackt bekomme. Ich müsste mir eben
      alles wieder im Internet bestellen. Es freut mich total zu hören, dass du damit so gut klar kommst! :)
      Ganz liebe Grüße, Ilka

  2. Hallo, bei uns gibt es mehrere weltläden und in einem gibt es losen Kaffee zu kaufen, die mahlen ihn auf Wunsch auch gleich und ich hab gefragt ich darf meine eigene Dose mitbringen, die füllen es mir da direkt rein. Das ist dann Fairtrade und Zerowaste. Vllt findest du auch einen Weltladen bei dir in der Nähe oder halt in Kiel.
    LG :)

    • Hi Luisa!
      Super, dass du in dem Laden losen Kaffee bekommst! Danke für den tollen Tipp. :)
      Ich werde meine Augen nach so einer Möglichkeit aufhalten.

      LG, Ilka

  3. Hallo, ich befinde mich auf dem gleichen Weg wie du! Dank Unverpackt Laden in der Stadt haben wir (mein Freund zieht Gott sei Dank mit) bei Lebensmitteln kaum Verpackungen mehr. Nur beim Tofu, auf den er nicht verzichten wollte, mussten wir anfangs Kompromisse machen. Dafür haben wir seit Neuem eine Lösung: die Tofumanufaktur. Sollte dein Mann mal beruflich in Karlsruhe sein, unbedingt dorthin… Ansonsten drück ich dir (und mir) die Daumen, dass das unverpackt-Angebot generell breitere Kreise zieht… Denn ansonsten bleibt nur Selbermachen, aber so viel Zeit hat man ja gar nicht. LG, Ica

    • Hi Ica!

      Schön von dir zu hören! Naja, es nicht so, dass sie nicht wollen… Als ich nun vor zwei Tagen wieder angefangen habe zu bloggen, wurde das Thema Zerowaste zu Hause wieder viel
      häufiger angesprochen und alle nehmen das Thema wieder bewusster war, weil ich nun drüber schreibe… Vielleicht klappts ja doch noch bei uns.
      Ich finde es richtig toll, dass ihr zwei schon so weit gekommen seid!
      Die Tofumanufaktur kenne ich leider nicht und in Karlsruhe hat mein Mann nie beruflich zu tun. Aber ich sehe da auch in unserem Alltag einerseits noch sehr viel Entwicklungspotential
      andererseits entwickelt sich der Markt ja auch zum Glück ein wenig mit. Der Unverpackt-Kiel erweitert stets das Sortiment.
      Das stimmt, Selbermachen ist immer eine Option und ich mache tatsächlich sehr viel selbst. Aber Seitan auswaschen (zu Weihnachten wurde Seitan-Menu gewünscht…) und Tofu pressen, wollte ich jetzt
      nicht auch noch anfangen… 😉 Wer weiß wohin der Weg uns noch führt…

      Liebe Grüße von Ilka

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