Zero Waste – Gedanken zum Thema Weihnachten

Roter WEihnachtsstern

Gestern – 4. Advent: „Nur noch viermal schlafen, mein Schatz, dann kommt der Weihnachtsmann,“ höre ich mich zu meinem älteren Sohn sagen. Und innerlich frage ich mich: Was halte ich von diesem Fest?

Das ist eine sehr gute Frage. Zero Waste steht inzwischen für mich bei allem was ich tue, im Vordergrund. Ich habe mir bereits im Sommer Gedanken darüber gemacht. Haben wir einen Weihnachtsbaum, oder haben wir keinen? Bekommen die Kinder Geschenke und wenn ja wie viele? Wie machen wir das mit dem Adventskalender? Usw.

Da ich mir sehr viel emotionalen Stress eingehandelt hätte, wenn es keinen Adventskalender gegeben hätte, keinen Baum und wenn der große Tag da ist, auch keine Geschenke, habe ich nachgegeben und es gibt das vollständige Programm. Allerdings alles in etwas abgespeckterer Version.

Ich habe bereits im November drei Geschenke für jedes Kind gekauft. Zuerst habe ich die secondhand Optionen überprüft und tatsächlich zu einem sehr guten Preis drei Geschenke gebraucht über Kaufoptionen bei e-Bay ordern können. Ein weiteres Geschenk konnte ich bei Amazon gebraucht organisieren. Lediglich zwei Geschenke musste ich neu kaufen. (Ich hätte es natürlich auch lassen können, aber bei uns gilt die Regel, dass die Weihnachtswünsche erfüllt werden.) Das betraf ein großes Feuerwehrauto und Material aus dem Künstlerbedarf. Leider gab es keine Möglichkeiten diese beiden Dinge gebraucht zu erstehen. Wenn ich mir mehr Zeit gelassen hätte, vielleicht doch, aber ich wollte im November damit durch sein.

Ende November hatte ich also bereits alle Weihnachtsgeschenke. Fehlte noch Material für den Adventskalender und kleine Nikolausaufmerksamkeiten. Unsere Kinder stehen absolut nicht auf Adventsschokolade, sei sie vegan oder nicht. Dadurch wurde es schon mal schwieriger. Den Adventskalender vollkommen verpackungsfrei zu gestalten hielten wir für keine gute Idee. Also kauften wir unterschiedliche Naschies von denen wir uns sicher waren, dass sie sie mochten. Der Erfolg hielt sich in Grenzen. Allerdings ist das jedes Jahr so, das hat weder mit dem veganen noch mit dem zerowaste-Lebensstil zu tun. Ehrlich gesagt, weiß ich nicht was die Kinder in ihrem Adventskalender erwarten. Und ich glaube sie wissen es auch nicht. Ich weiß nicht wie wir mit dieser Adventskalender-Thematik zukünftig verfahren werden. Fakt ist, es hat ihnen gefallen jeden Tag ein Beutelchen zu öffnen. Aber damit war es das dann auch schon. Jeden Tag einen Gutschein hineinzustecken halte ich für Papierverschwendung, eine aufeinander folgende Geschichte auch (zumal wir bereits drei Adventsbücher, mit einer entsprechenden Anzahl an Kapiteln haben). Einen Tiptoi-Adventskalender haben wir auch bereits, allerdings wurde der nun zwei Jahre in Folge genutzt. Inzwischen ist er langweilig und jedes Jahr einen neuen zu kaufen, wie sich der Hersteller das wohl gedacht hat, sehe ich nicht ein. Das ist zu teuer und entspricht auch einfach nicht den Regeln der Nachhaltigkeit. Geld wäre sonst noch eine Idee, die sie bestimmt gut finden würden. Also kurzum: Ich weiß nicht, was wir nächstes Jahr machen werden. Aber ich habe ja noch ein Jahr Zeit einerseits für Überlegungen andererseits für eingängige Gespräche mit den Kindern.

Silberweihnachtsstern

Und wir haben doch einen Weihnachtsbaum. Na toll. Wir hatten kurzfristig die Idee, die mein Mann und ich total gut fanden, von den immensen Buxbaum-Vorkommen in unserem Garten einige halbgroße Zweige abzuschneiden und sie dicht zusammen in einen unserer sehr großen Blumentöpfe zu stecken. (Wirklich, das fällt nicht unter Verschwendung, die Bäume und Büsche müssen immer mal wieder im Winter beschnitten werden, sonst wächst alles zu und die Pflanzen nehmen sich gegenseitig Licht und Platz.) Diese wollten wir dann so zurecht trimmen, dass sie die Form eines Weihnachtsbäumchens haben. Wir wollten die Zweige dann nach Weihnachten drinnen behalten, regelmäßig gießen und über die Sommermonate erhalten, so dass wir dann fortan ein kleines Bux-Weihnachtsbäumchen für alle folgenden Jahre hätten.

Die Kinder wollten das nicht. Mein Mann hat gestern mit meiner Schwiegermutter eine kleine Kiefer im Topf gekauft. Wir haben sie in einen der bereits erwähnten sehr großen Töpfe umgepflanzt, fleißig gegossen und sie nun geschmückt ins Wohnzimmer gestellt. Der Vorteil dieses Baums ist, dass er aufgrund seiner Größe tatsächlich erstmal drinnen bleiben kann. Wenn wir ihn nach Weihnachten irgendwann abgeschmückt haben, können wir ihn nach unten in den Keller stellen und dort bis nach dem Frost überwintern lassen. Ich hoffe sehr, dass er das überlebt, denn er soll dann an die Stelle unseres Traums von einem Bux-Weihnachtsbäumchen treten… Ich stütze mich offiziell auf dieses Interview mit Bea Johnson: Sie hat auch einen Baum… 😉 (Ich bin ganz ehrlich zu euch: Das mit dem Baum, ist eine Tradition, die ich nicht missen möchte. Im Moment zumindest.)

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Die Deko. Wir haben für einen zerowaste-Haushalt recht viel Deko. Ich mag unsere Weihnachtsdeko und ich möchte sie auch gern behalten. Allerdings haben wir dieses Jahr nichts dazu gekauft. Alles was wir haben, stammt noch aus den letzten Jahren. Den Blumentopf habe ich mit einer alten weißen Gardine umwickelt. Was mich auch gleich zum Thema Geschenkverpackung führt: Wir werden die Geschenke bis auf dieses riesige Feuerwehrauto in Zeitungspapier verpacken. Das Auto wird in eine weitere weiße Gardine gewickelt.

Ob das für einen zerowaste-Lebensstil nicht ein wenig zu viel Aufwand ist? Ja klar, in meinen Augen schon. Für meine Familie ist das jedoch bereits eine sehr große Umstellung! Wenn ich noch mehr reduziere, riskiere ich, dass sich die Kinder gegen mich und diesen Lebenswandel stellen. Wenn ich sie nicht mehr auf meiner Seite habe, kann ich die gesamte Umstellung gleich vergessen. Auf Zwang läuft in unserer Erziehung nichts. Ich möchte, dass sich die Umstellung langsam und schleichend einstellt, sie sollen davon so wenig wie möglich mitbekommen. Und so ist es auch für das Umfeld leichter, zu akzeptieren was wir hier tun. (Ich stütze mich auf die Erfahrungen, die wir bei der Umstellung auf ein veganes Leben gesammelt haben.)

Für das Weihnachtsmenu haben wir keine großen Pläne. Wir werden uns einen Tag vorher Seitan selber machen. (Hier ist eine gute Anleitung dafür.) Über Nacht werden wir ihn in einer Marinade aus Sojasoße, Ahornsirup, Orangensaft, Tomatensoße, Petersilie und Knoblauch ziehen lassen und am nächsten Tag in einer Panade aus Mehl und gemahlenen Haselnüssen braten.

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Wenn man das Herstellen von Seitan rechtzeitig beginnt und in mehrere Arbeitsschritte aufteilt, ist es nur noch halb so viel Arbeit…

Dazu mache ich uns Kroketten selbst (hier findet ihr das Rezept) und eine Soße (ich mache sie immer noch so). Da wir mit meiner Familie zusammen bei meinen Eltern feiern, brauche ich nichts weiter vorbereiten. Meine Eltern kochen wie jedes Jahr ein bis zwei Sorten Fleisch, Soßen und (zum Glück vegan:) vier bis fünf Gemüsesorten dazu (unter anderem Kartoffeln). Ob ich ein Dessert mache, weiß ich noch nicht, aber wenn, dann werde ich vermutlich Bananen einfrieren und sie dann zusammen mit einigen unserer tiefgefrorenen Blaubeeren pürieren. (Wir haben sie im Sommer auf einem Blaubeerfeld in der Nähe gepflückt. Das war ein wunderschöner sonniger Vormittag und unser kleiner (damals noch zweieinhalb) lief die ganze Zeit zwischen den Büschen her und rief: „Mama so vielen Brommbeern!“ Und ich sagte immer: „Mein Schatz, das sind Blaubeeren.“, was allgemein unter den Pflückern rings um uns für sehr viel Belustigung sorgte… ^^) Nach dem Fest werden die Reste untereinander aufgeteilt ;).

Weihnachtsstimmung?

Ich befinde mich nicht in Weihnachtsstimmung. Seit mein erster Sohn auf der Welt ist nicht mehr. Wir haben pro Familienmitglied eine Weihnachtsfeier, ich muss mindestens viermal Kekse backen – nein, nicht für unseren Adventskaffee, sondern weil das von KiGa und Schule so gewünscht wird. Außerdem muss ich hier einen Salat und da eine Kleinigkeit an Fingerfood organisieren. Ich mag die Weihnachtszeit nicht mehr so gerne. Alles wird in allen Gruppierungen ständig gefeiert und es wäre mir wirklich sehr recht, wenn die Schule zukünftig ihre Feiern allein macht, genauso der Kindergarten und wenn die Betriebe auf ihre Weihnachtsfeiern verzichten könnten.

Grundsätzlich finde ich das Beisammensein in der Familie und das Dekorieren schon schön, vor allem weil auch einiges eben mit einem schmalen Budget und durchaus auch zerowaste-praktikabel ist. Jedoch ist es so, dass in meiner Familie alle eher gehetzt am Weihnachtsabend zusammen kommen (Inventur, Jahresabrechnung, Weihnachtsgeschäft…) und die meisten froh sind, wenn man sich stattdessen eher Ende Januar sehen würde.

Ich habe mich dieses Jahr bewusst gegen alles gestemmt, was machbar war, weil es mir auch anders einfach nicht möglich war die Nachhaltigkeit im Vordergrund zu halten: Pro Woche höchstens eine Feierlichkeit für nur eine Person. Und so sind wir dieses Mal recht stressfrei durch die Adventszeit gekommen. Wir haben übrigens nur vier kleine Adventskerzen genutzt und sind damit sehr gut ausgekommen. Außerdem wurden zwei Teelichter abgebrannt (die wir noch von unserem letztjährigen Weihnachten hatten). Also geht’s doch sehr gut mit weniger. Den Kindern ist es gar nicht aufgefallen.

Und noch etwas: Ich habe die Kinder mehrere Wochen darauf vorbereitet, dass ich das Kinderzimmer durchgehen werde und raushole was nicht mehr gebraucht wird. Sie haben das akzeptiert, nach dem ich ihnen sagte, dass wir alles was noch gut ist, verkaufen werden und sie das Geld dann für ihre Spardosen bekommen.

Vorgestern war es dann endlich so weit. Nachdem ich bereits einmal halbherzig einige Schubladen durchgegangen bin, stürzte sich meine Schwiegermutter in einem spontanen Aufräumanfall mit mir zusammen auf die Schränke. Am Ende haben wir insgesamt mit meiner vorherigen Aufräumaktion sechs Säcke (zwei ganz große und vier kleinere) Spielzeug aus diesem Zimmer getragen.

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Wir haben versprochen, dass sie erstmal sechs Monate unten im Keller liegen bleiben (allerdings verschlossen und mit einer Decke darüber, so sehen sie sie nicht und werden nicht ständig dran erinnert), damit sie erstmal in Ruhe überprüfen können, ob sie mit dem was noch ist, gut auskommen. Was wir noch im Zimmer gelassen haben: Brettspiele, Konstruktionspielezeuge (Lego, Lego Duplo, Bauklötze, Holzeisenbahn), Puzzles, Malzeug, Malbücher, Bücher, Tiptois. Der Raum ist jetzt endlich funktionsfähig. Ich hatte vorher nie das Gefühl, dass er es war. Die Kinder fühlen sich in dem Zimmer immer noch wohl. Ob sie nun besser oder schlechter spielen bleibt abzuwarten. Meine Vermutung: Es wird sich nichts ändern, für die Kinder und sie werden auch das ausrangierte Zeug nicht vermissen. Sie werden weder weniger noch mehr spielen. Die Einzigen die wirklich eine positive Änderung verspüren, sind mein Mann, meine Schwiegermutter und ich… ^^

Durch die kleinen Änderungen, die wir hatten, hatten wir trotzdem bisher eine sehr schöne Zeit und wir haben viel Zeit miteinander verbracht.

In diesem Sinne – Ich wünsche allen Lesern, dieses Artikels, eine schöne Zeit. Geht es langsam an und gestaltet alles so einfach, wie es euch möglich ist und wie es euch gefällt.

Frohe Weihnachten euch allen!

By the way: Wo ist eigentlich der Schnee????

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