Wieviel Minimalismus braucht ein Zerowaste-Lebensstil eigentlich?

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Minimalismus soll ja der Kern des zerowaste-Prinzips sein. Und – meiner Meinung nach – ist zerowaste ohne Minimalismus kein zerowaste.

Das Entrümpeln war in meinen Augen der kleinste Schritt, und auch am schnellsten erledigt. Wenn auch immer noch einige Ecken sind, die aufgeräumt werden müssen.

Oder?

Wir neigen anscheinend doch sehr dazu Zustände, die noch nicht in Ordnung sind einfach so hin zu nehmen. Unser gesamter unterer Wohnbereich, der eigentlich nur einen (ziemlich großen) Flur und einen Abstellraum umfasst, haben wir sehr lange ignoriert. Zugegeben: Ich hatte auch schlicht und ergreifend keinen Bock mich da durch zu wühlen (da lagerte unser ganzer Papierkram), weil wir einfach alles dort abgelegt, bzw. abgestellt hatten. Es war ja immer noch genügend Platz um einfach durch zu laufen. Wir haben jetzt, (obwohl wir ja schon etliche Male ausgemistet hatten) ganze drei Wochenenden gebraucht um beide Räume vollständig auszuräumen. Es ist ein gesamter leerer Raum dadurch entstanden! Das ist so ein gigantisches Gefühl!

Wir haben schon wieder soviel Ballast verloren. Das ist irgendwie immer so als würden wir nach einem Tauchgang nach oben treiben.

Das große R: Refuse!

Was in meinen Augen jedoch immer noch eine sehr große Herausforderung ist, ist nichts mehr ins Haus zu lassen. (Ausgeschlossen natürlich die Dinge und Lebensmittel, die wir wirklich benötigen.)

Ich sehe immer wieder bei zerowaste-Bloggern, dass sie auf einem guten Weg sind, aber dann werden doch hier Kompromisse gemacht, da unnötige Geschenke organisiert usw. Und das ist auch unser größtes Problem: das Refuse. Wir ertappen uns immer wieder dabei, wie wir zu viel einkaufen.

Ein Beispiel: Aus Gewohnheit habe ich auf dem Markt alles gekauft, was ich ansprechend fand. Dadurch habe ich einerseits zu viel Geld ausgegeben und andererseits, habe ich soviel Gemüse im Kühlschrank, dass ich es nicht rechtzeitig verwerten kann. (Da hilft dann nur noch klein hacken und einfrieren.) Ich übersehe die Essens-Reste, wegen schlichter Überfüllung des Kühlschranks und muss sie dann am Ende wegwerfen, weil sie ungenießbar geworden sind…

Außerdem rennen wir noch viel zu oft zum Imbiss und organisieren uns da schnell was für unterwegs. Hier hilft nur, unsere Routinen genauer unter die Lupe zu nehmen.

Gewohnheiten erkennen und ändern

Es gibt drei Dinge, die allgemein keinen Anklang fanden: Stofftaschentücher, Trinkflaschen für alle, und Edelstahlbrotdosen für alle. Also der Große verweigert die Stofftaschentücher immer noch. Der Kleine hatte einmal für sich bunte Stofftaschentücher dazu gekauft und findet sie riesig! (Er benutzt aber auch noch gerne die anderen weiter). Und mein Mann ist der Meinung, dass wir mit dem auskommen was wir haben, was dazu führt, dass ich selten ein frisches Stofftaschentuch abbekomme, vor allem wenn wir alle erkältet sind. Ähnlich verhält es sich mit den Trinkflaschen. Ich und die Kinder haben jeweils Eine. Mein Mann hatte lange Zeit keine. Was dazu führte, dass bei einem halbtägigen Ausflug, die Wasservorräte schneller aufgebraucht waren, als geplant. Gleiches gilt für Brotdosen. Es ist mit Sicherheit richtig und auch sehr wichtig, dass man mit dem Auskommen sollte, was man hat und nicht mehr zu haben als man braucht.

Aber man sollte auch seine Gewohnheiten sehr gut kennen. Wenn ich jedes Mal nicht genug Proviant mitnehmen kann, wenn wir unterwegs sind, weil wir nicht genügend Behälter haben, dann endet es immer damit, dass wir uns irgendwo Fritten mit Ketchup organisieren müssen. (Alternativ landen wir alle schlecht gelaunt wieder zu Hause und müssen eine Menge Genörgel aushalten, bis dann endlich jemand essen fertig gemacht hat.) Ich fand es jetzt sinnvoller noch mehr Stofftaschentücher sowie zwei weitere Edelstahlcontainer zu organisieren (eine Trinkflasche hat mein Mann inzwischen 😉 ). Das ist zwar jetzt erstmal teurer, aber auf lange Sicht sollten wir damit einige Euros und vor allem viel Verpackung einsparen.

Chaos kann sehr erdrückend sein

Genauso ist es meiner Meinung nach auch in der Küche. Ich hantiere im Moment mit sehr viel unterschiedlichen Gläsern in vollkommen unterschiedlichen Größen und Formen herum. Ich kann sie nicht richtig aufbewahren, nicht vernünftig stapeln und weil ich so viele kleine Gläser habe, bewahre ich extrem viele Gläser auf. Das nimmt viel Platz weg. Ich verliere schnell den Überblick über das was ich habe. Ein Blick in meine Küchenschränke nervt mich momentan wirklich.

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Das absolute Chaos

Allerdings weiß ich auch nicht welche Ordnungsgläser ich mir anschaffen soll. Plastik ist ja absolut nicht drin. Viele Gläser, die ich ausprobiert habe, haben leider immer ein Problem mit dem Deckel. Sie sind alle mit Plastik beschichtet. Nach einer gewissen Zeit reißt die Plastikbeschichtung ein und das Metall darunter beginnt zu rosten. Das ist nicht einfach nur ärgerlich, sondern vor allem auch gesundheitsschädlich. Und am Ende hat man schon wieder Müll, über dessen weiteren Verbleib man sich Gedanken machen muss, in der Hand. Das gilt übrigens nicht nur für die Flaschen, die ich für die Hafermilch gekauft habe, so etwas passiert uns auch immer mal wieder mit älteren Gurken- und Marmeladengläsern. Solche Gläser sind offensichtlich nicht für einen ausdauernderen Gebrauch designed.

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Diese Flaschen (ich hatte zwei davon) hatte ich für unsere Hafermilch gekauft, leider rosteten die Deckel nach nur drei Monaten Benutzung völlig durch.

Unterm Strich bleiben nur noch Weckgläser und die von Bea Johnson favorisierten Bügelgläser übrig. Ich finde zwar beide Gläser sehr schön, doch die Weckgläser finde ich für die Aufbewahrung von Lebensmitteln an die ich ständig ran muss, etwas fummelig. Und die Bügelgläser finde ich sehr schwer.

Jedes Mal wenn wir eine größere Menge Geld ausgegeben haben, um die Entwicklung in einem Lebensstil voranzutreiben, hat sich die Investition am Ende gelohnt. Das gilt sowohl für den Veganismus, als auch für zerowaste. Beim Veganismus waren das vor allem Ersatzprodukte, die uns die Umstellung sehr erleichtert haben. Beim zerowaste war es die Investition in wieder verwendbare Behälter und Beutel aus hochwertigen Materialien.

Doch es gab auch positive Entwicklungen. Mein Mann hat zum Beispiel, letzte Woche, als die Kinder Bratnudeln haben wollten, all seinen Mumm zusammen genommen und beim Asia-Imbiss gefragt, ob er die Nudeln in seine Schüssel (er hatte an dem Tag sein Mittag-Essen in einer Porzellan-Schüssel mit Deckel mitgenommen) haben darf. <3

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Fazit?

Um die Frage aus der Überschrift zu beantworten: Je mehr Kram wir loswerden, je leerer es hier wird, um so wohler fühlen wir uns. Obwohl ich mit dem Gegenteil gerechnet habe, kaufen wir nicht mehr ein. Wir kaufen zwar immer noch, aber wir merken finanziell bereits, dass es viel weniger ist. Mein Mann ist inzwischen voll auf den Zug mit aufgesprungen, das hat noch mal viele Änderungen beschleunigt. Je mehr wir minimalisieren umso einfacher können wir zerowaste leben und zerowaste Kaufentscheidungen treffen. Also ist meine Antwort: Je minimalistischer wir leben, umso besser können wir vier zerowaste umsetzen.

4 Kommentare

  1. Hallo, Dein Blog gefällt mir supergut und vor allem dieser Beitrag spricht mir aus der Seele. Ich finde nicht, dass der Zweck von ZeroWaste Minimalismus ist, aber ansonsten stimme ich Dir zu. Mich sprechen gleiche Gläser viel mehr an als ein Sammelsurium und es spornt mich an, Ordnung zu halten. Ich behalte auch eher den Überblick. Bin aber auch noch auf der Suche nach der perfekten Aufbewahrung! Liebe Grüße Katja

  2. Pingback: Unsere Ausstattung

  3. Besonders dein Satz „Chaos kann sehr erdrückend sein“ war für mich damals ein Punkt, warum ich angefangen habe, in vielen Bereichen ein wenig minimalistischer zu werden. Es tut einfach gut und wirkt „leichter“ wenn man weniger „Zeugs“ um sich herum hat – da bleibt mehr Freiraum und ein besseres Lebensgefühl 😉

    LG

    • Hi,
      es ist tatsächlich so: Man weiß vor lauter Zeug auf einmal gar nicht mehr wo man eigentlich wirklich aktiv sein wollte. Mich lenkt es vom wirklichen Leben total ab. Freut mich sehr, dass du mehr Freiraum schaffen konntest! Viel Freude weiterhin! LG, Ilka

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