Kaffee: Trinken oder lieber nicht trinken?

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Mein Mann und ich sind Kaffeejunkies. Absolut.

Ich kann gar nicht richtig sagen wie das überhaupt passiert ist. Als wir noch keine Kinder hatten, hatten wir immer mal bei der Arbeit ein, zwei Becher Kaffee getrunken oder wenn wir mal die halbe Nacht lang durch gemacht hatten, haben wir auch gerne ne Kanne Kaffee getrunken, um durchzuhalten. Wir hatten sogar eine Zeit lang eine Nespresso-Maschine. Die wir zwar täglich benutzten, aber nicht in dem Ausmaß, in dem wir heute Kaffee trinken.

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Richtige Kaffeetrinker wurden wir erst durch die Geburt unseres ersten Sohnes. Ich konnte einfach keine andere Methode finden, diese permanente Schlaflosigkeit wieder auszugleichen. Meinem Mann ging es ganz genauso. Wenn das Baby die ganze Nacht weint, weil es z. B. zahnt, muss der Gatte am nächsten Morgen trotzdem bei der Arbeit antanzen.

Fakten über Kaffee?

Ob Kaffee gesund ist oder nicht, lässt sich für einen Laien überhaupt nicht klären. Es gibt immer wieder unterschiedliche Meldungen. Mal ist er völlig ungesund, mal profitieren vor allem die sehr langlebigen Menschen unter uns von Kaffee.

Kaffee kommt aus einem anderen Klima. Wir sehen nicht wo und wie er angebaut wird. Ich finde so etwas immer problematisch. Hier in Deutschland kann man uns alles Mögliche über den Kaffee-Anbau vorgaukeln. Da die Anbau-Länder auch nicht grade Haupt-Urlaubsziele der Europäer sind, ist man oft auf Aussagen der Konzerne angewiesen.

Wir beschränken ja bereits unseren Verbrauch an Palmöl und versuchen so selten wie möglich mit Kokos zu kochen. Bei näheren Recherchen erfährt man jedoch, dass auch Kaffee in Monokulturen angepflanzt wird und hierfür Regenwaldflächen gerodet werden müssen.

Ich finde es sehr schwierig über Kaffee allgemein zu schreiben, weil so endlos viele widersprüchliche Gerüchte kursieren, dass ich selber überhaupt nicht weiß, ob Kaffee trinken nun gut für mich ist oder nicht. Seht euch doch diese Doku hier mal an und bildet euch eure eigene Meinung:

Einige Dinge kann man jedoch mit Sicherheit sagen:

  1. Kaffeekapseln sowie Coffee-to-go-Becher sind eine absolute Umweltkatastrophe! Da gibt es gar keinen Diskussions-Spielraum.
  2. Beim Kauf auf jeden Fall faitrade-Siegel kaufen! Sie stehen zwar für unterschiedliche Unterstützungen, doch sie verbessern auf jeden Fall das Leben der Kaffee-Bauern.
  3. Kaffee wird in Monokulturen angebaut. Monokulturen sind immer umweltschädlich!
  4. Ob Kaffee trinken gesund ist oder nicht, ist noch nicht intensiv genug erforscht worden, um einschlägige Ergebnisse liefern zu können. Man sollte auf jeden Fall auf sein eigenes Körpergefühl hören.
  5. Kaffeehandel allgemein (Anbau, Verschiffung, Handel im Zielland) entspricht nicht den Kriterien von Nachhaltigkeit.
Wenn in einem Land, in dem hauptsächlich mit Kaffee gehandelt wird, mehr als die Hälfte der Bevölkerung unter der Armutsgrenze lebt, was sagt das dann über Kaffeekonsum allgemein aus?

Wie wir die ganze Sache bisher gehandhabt haben:

Wir hatten eine Zeit lang eine Nespresso-Maschine, allerdings habe ich da nur die milden Sorten vertragen. Als ich dann auch noch meine Laktoseintoleranz bekommen hatte, haben wir die Maschine ganz abgeschafft. Zuerst haben wir wieder normal in der Kaffeemaschine Kaffee gekocht. Dann erfuhren wir durch Verwandte, dass sie viel Geld dadurch sparen konnten, dass sie ihren Kaffee per Hand filterten. Und tatsächlich: Wir kauften einen Filteraufsatz aus Steingut, legten den Filter ein und kamen fortan mit maximal vier Kaffelot auf eine 1,5l Isolierkanne aus!

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Irgendwann stiegen wir, ebenfalls aus Kostengründen, auf eine French-Press Isolierkanne um. Ab jetzt sparten wir auch die Kaffeefilter, außerdem reichten fortan drei Kaffeelot auf eine Kanne Kaffee aus. Und seither tranken wir auch insgesamt weniger Kaffee. In die French-Press Kanne gehen maximal 1l Wasser. Wir machen höchstens zwei Kannen Kaffee am Tag. Mit der 1,5l Kanne haben wir auch zweimal am Tag Kaffee gemacht… Ich denke das spricht für sich.

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Wir haben meist Tchibo oder Arko-Kaffee getrunken. Aus Kostengründen sind wir dann auf Aldi-Kaffee umgestiegen. Als wir vor einem Jahr unsere Umstellung auf zerowaste begonnen hatten, kauften wir von Aldi fortan nur noch den Bio Caffe Crema mit dem fairtrade-Siegel. Diesen Kaffee gibt es im 1000g Aroma-Beutel und nur in ganzen Bohnen. Kostenpunkt waren glaube ich 8,99/1000g.

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Die Bohnen habe ich dann zu Hause in der Mulinette klein gemahlen. Das duftet immer so herrlich! Das klappte so ganz prima! Der Kaffee ist super fein geworden. Genauso, als würde man ihn mahlen lassen. Außerdem konnte ich so mindestens vier Mal Verpackung im Monat sparen. Ich dachte mir: Lieber ein großer Aromabeutel, als vier mal Aromabeutel mit Papierumhüllung.

Ich hätte bereits die ganze Zeit Bio fairtrade Kaffee im Unverpackt-Kiel kaufen können. Habe ich jedoch nicht getan. Wieso? Weil 1000g Kaffeebohnen dort haargenau 18,60€ kosten. Genau!

Als ich den Artikel über unser Familienleben für Shias Blog geschrieben habe, hatten wir grade beschlossen fortan im Unverpackt die Süßigkeiten für die Kinder zu kaufen, damit wir unsere Gänge in die Supermärkte noch weiter reduzieren konnten. Das hatte unsere Ausgaben im Unverpackt-Laden bereits um fast vierzig Euro angehoben.

Einmal kurz Pause.

Waaaaaas? Süßigkeiten für die Kinder und dann vierzig Euro mehr? Was haben wir denn alles gekauft? Ungefähr 2kg Süß- und Knabberkram: Fruchtgummis, Pistazien, geröstete Erdnüsse, Trockenfrüchte.

Das sind die Preise, wenn man genau das zahlt, was ein Lebensmittel wert ist!

Das ist uns lange Zeit durch den Kopf gegangen. Und nun hat mein Mann sich einen Schups gegeben und einen Beutel mit 2kg Kaffeebohnen, der Sorte Kieler Mischung, im Unverpackt-Kiel gekauft: 37,20€. Soviel kostet fair gehandelter Bio Kaffee! Und er schmeckt auch sehr gut :D.

Langer Rede kurzer Sinn: Wir sind so weit, dass wir nur noch dort Kaffee kaufen werden, oder eben keinen mehr trinken. Es ist tatsächlich so, dass wir immer häufiger merken, dass wir unseren Kaffee ungetrunken irgendwo stehen lassen oder erst gar keinen mehr kochen, weil wir vergessen haben Wasser aufzusetzen. Unseren Wasserkocher haben wir längst aussortiert und kochen Wasser nur noch im Topf direkt auf dem Herd. Ich denke wenn wir vom Kopf her gar nicht mehr so oft das Verlangen danach haben, befinden wir uns auf einem sehr guten Weg irgendwann völlig ohne zu Leben. Immer öfter merke ich, dass ich den Kaffee nur trinke, weil ich ihn gekocht habe und es unfair finde, wenn ich ein unter so katastrophalen Bedingungen hergestelltes Produkt unkonsumiert in den Abfluss kippen müsste.

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Warum trinken wir überhaupt weniger Kaffee? Ich kann es wirklich nicht sagen. Wir haben immer wieder mal versucht völlig auf Kaffee zu verzichten: Es hat überhaupt nicht geklappt. Kopfschmerzen und Schwindel waren meist die Folge. Außerdem haben wir viel mehr gefuttert, wenn wir keinen Kaffee getrunken haben. Ich weiß nicht ob es nun daran liegt, dass wir uns so sehr mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen oder einfach daran, dass wir inzwischen qualitativ viel hochwertigere Nahrungsmittel zu uns nehmen…? Oder eine Kombination aus beidem? Ich nehme das jetzt so hin und freue mich.

Wir haben hierdurch wieder einen weiteren Gang in den Supermarkt verloren und mehr Platz in der Küche gewonnen! Ich brauche jetzt echt nur noch jemanden der mir Tofu unverpackt verkauft! 😀

Hier nochmal eine neuere, allerdings auch längere, Doku zum Thema – sie ist wirklich sehr interessant:

 

Und hier natürlich noch der Wikipedia-Artikel.

 

5 Kommentare

  1. Toller Beitrag! Vielen Dank dafür. Ich habe vor zwei Jahren mit dem Kaffee trinken aufgehört und war danach für mindestens eine Woche „krank“. Die typischen auch von Dir beschriebenen Symptome wie Kopfschmerzen und Schwindel. Ich fühle mich freier ohne Kaffee. Dieses Gieren nach Kaffee in unserer Gesellschaft („erstmal einen Kaffee, ohne Kaffee läuft gar nichts, schnell ein Kaffee to go, keine Sitzung ohne Kaffee“) finde ich bedenklich. Ob Kaffee ungesund ist, kann ich nicht sagen. Aber es ist definitiv ein Suchtmittel. Liebe Grüße, Silke

    • Hi Silke! Danke für den Kommentar. Hab mich wirklich total drüber gefreut! Ich fühle mich ganz oft total ausgeschlossen, wenn ich keinen Kaffee annehme. Als ob ich was falsch gemacht hätte! „Ach die Veganerin, jetzt trinkt sie nicht mal mehr Kaffee… tsss…“ Genau das Gleiche denke ich auch, der Kaffee ist fast genau so sehr im Denken verankert, wie die Bratwurst auf dem Grill. 😀
      Ganz liebe Grüße, Ilka

    • Und nochmal: Wie hast dus geschafft mit dem Kaffee trinken aufzuhören? Hast du es einfach sein gelassen oder bist du auf irgend etwas Anderes umgestiegen? Das würde mich wirklich total interessieren! Herzlichen Glückwunsch zum erfolgreichen Aufhören! Bin ganz beeindruckt! :)

      • Hallo Ilka,

        mich hat meine Kaffee-Abhängigkeit immer mehr genervt und dann habe ich einfach aufgehört. :) Ich habe dann erstmal mit Machta-Tee überbrückt. Den trinke ich mittlerweile aber nicht mehr. Das ist mir zu aufwändig und teuer und zu mainstream 😉 Ab und zu trinke ich grünen Tee, der ist mir nicht wichtig, aber ich mag ihn.

        Dass es mir nach dem Kaffee-Stopp so schlecht ging, habe ich als Bestätigung empfunden, dass es die richtige Entscheidung war. :)

        Ab und zu denke ich, einen Kaffee könnte ich doch jetzt mal trinken… Aber die Erinnerung an die Umstellung hält mich dann davon ab.

        Ganz liebe Grüße!

        • Danke für die Antwort! Ich werde morgen (versuchen) deinem Beispiel zu folgen. Heute ists zu spät. Hab schon wieder drei Becher intus… 😉 Ich finde das richtig gut! :)
          Liebe Grüße, Ilka

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