(Stoff-)Windeln?

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Unser Dreijähriger ist zwar so gut wie trocken, aber er benutzt nun doch noch Windeln. Ich habe das Thema erst ganz weit von mir weg geschoben und mich in Bezug auf zerowaste nur auf das konzentriert, was in meinen Augen leicht zu bewältigen war: Hauptsächlich eben Haushalt. Und damit war ich auch schon beschäftigt genug.

Als ich dann den Artikel für wastelandrebel geschrieben habe, hatte es mich schon geärgert, dass wir tatsächlich noch Wegwerfwindeln benutzten, aber wir hatten bis zum Tag der Veröffentlichung dieses Artikels keinen Gedanken für das Windel-Thema erübrigen können. Mein Mann war sich erst über die Feiertage sicher geworden, dass er zerowaste auf jeden Fall doch bis ins kleinste Detail durchziehen möchte. Und die Kinder, naja, die leben ja bis heute nicht völlig zerowaste…

Auf meinen Artikel meldete sich eine Leserin mit zwei Links zum Thema Stoffwindeln. Also hielt ich die Zeit für gekommen, mich diesem Thema eingehend zu widmen. Mein Mann war ein wenig genervt. Stoffwindeln? Muss das sein? Noch mehr Geld ausgeben….?

Ich meldete mich in einer Facebook-Gruppe für den Austausch von gebrauchten Stoffwindeln an und sah die Angebote bei Amazon und in der Windelmanufaktur durch. Ich war ziemlich schnell Feuer und Flamme und da es in der Facebook-Gruppe innerhalb von drei Wochen keine Windelangebote in der Größe gab, die wir brauchen würden, kaufte ich mir einfach ein Set bei der Windelmanufaktur. Das war soooooo teuer! Mir hat das echt weh getan.

Aber: Mein Sohn war völlig hin und weg. Er liebte seine blaue Elefantenwindel vom ersten Augenblick und war so begeistert, dass er gleich auf einen Schlag alle seine Geschäfte auf einmal darin erledigte. Damit war das gesamte Set völlig durch und wir konnten gleich den Reinigungsvorgang durchtesten. Die Windel kam vollkommen sauber wieder aus der Wäsche (normaler Waschgang bei 30°C) und überlebte auch den Trockner-Durchlauf. Und alles war prima. Und klar war: mit einem einzigen Set kamen wir auf jeden Fall nicht aus.

Also suchten mein Sohn und ich wieder bei der Windelmanufaktur vier weitere sogenannte Außenwindeln (er hätte am liebsten alle Modelle gehabt), acht weitere braune Innenwindeln und drei unterschiedliche Sorten Einlagen in mehrfachen Ausführungen aus:

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  • Boostereinlage (dünn, sehr saugfähig)
  • Hanffleece (dünn)
  • Biofrottee (eine super dicke doppelt genähte Einlage, die an einer Längsseite offen ist, für nachts legen wir hier noch eine dünne Einlage zusätzlich rein)
Außerdem brauchten wir noch ein Wetbag in dem wir die schmutzigen Windeln bis zum Waschgang aufbewahren können.
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Dieses Wetbag ist nicht von der Windelmanufaktur, ich hatte vergessen dort eins mit zu bestellen. Da wir es dann doch dringend brauchten, bestellte ich dies hier bei Amazon….

Ich hatte tatsächlich erst gedacht, ich könnte die Windeln einfach so in die Schmutzwäsche werfen. Aber zwei Gründe überzeugten uns dann vom Gegenteil: Die gesamte Schmutz-Wäsche wird natürlich nass, wenn ich vollgepieselte Windeleinlagen mit in den Wäschesack werfe und außerdem wasche ich ja nur einmal pro Woche… Und für unterwegs sind sie sowieso absolut notwendig. Das mit dem Wetbag ist eine super gute Alternative. Sie ist aus Plastik (Buuuuuh! 😀 ) und somit wasserdicht. Man kann sie mit einem Reißverschluss schließen und so hält es sich dann auch aus, wenn man die Windeln nur jeden zweiten Tag wäscht. (Und falls sich jemand die Frage stellt: einen Windeleimer haben wir nie gehabt. (Und eine Wickelkommode auch nicht…))

Wie läuft das jetzt im Alltag ganz genau?

Also: Unser Sohn liebt alle seine Stoffwindeln. Aber er mag auch die alten Wegwerfwindeln noch sehr gern. Somit haben wir Stoffi-Tage und Antistoffitage und Nacki-Tage. Manchmal haben wir fünf Tage hintereinander Stoffi-Tage und manchmal haben wir sieben Tage lang wieder Antistoffitage. Es ist wie es ist. Oberste Regel für den zerowaste-Lebensstil war, dass jeder die Zeit für die Umstellung erhält, die er braucht und die Kinder ja sowieso eher außen vor waren. Klar stehen mein Mann und ich auch mit in der Verantwortung, weil wir den Kindern Alternativen aufzeigen müssen. Wir sind somit unserer Verantwortlichkeit nach gekommen. Wir bieten die Stoffwindeln immer als erstes an, aber wenn er sie nicht will, beharren wir nicht darauf.

Wenn er also seine Stoffi anhat läuft es so:

Man knüpft eine Innenwindel in eine der Außenwindeln. Die Innenwindel ist wasserdicht. Sie besteht aus PUL. PUL steht für Polyurethanlaminat. Dies ist ein textiler Öko-Tex-zertifizierter Stoff aus Polyester und Polyurethan. Völlig mit Naturmaterialien geht es also nicht. Aber dieser Stoff ist waschbar und wiederverwertbar. Das ist gegenüber einer Wegwerfwindel natürlich schon mal ein sehr großer Vorteil. PUL gilt als BPA-frei und Kindersicher. Ok. Ich nehme das jetzt so hin, weil ich das nicht ändern kann. Plastik finde ich immer schlecht, aber die Alternative aus der Windelmanufaktur wäre eine Innenwindel aus Wolle gewesen. Aus Merinowolle. Da wir vegan sind geht das nicht. Also PUL.

In die Innenwindel wird eine (oder mehrere) der unterschiedlich starken Einlagen gelegt. (Das muss man selbst entscheiden, wie stark der Schutz durch die Einlage/n sein muss. Bisher legen wir die Windeln recht dick aus.) Nun kann die Windel außen zugeknöpft werden. Es stehen mehrere Möglichkeiten zum Zuknöpfen zur Verfügung,  man kann also in der Größe durchaus variieren. Wenn die Einlage voll ist, wird sie ausgewechselt. Wenn die Innenwindel versehentlich auch was abbekommen hat, wird sie ebenfalls ausgewechselt. Die Außenwindel kann so lange weiter genutzt werden, bis sie ebenfalls nass oder auch einfach voll mit Ketchup-Flecken ist.

Die Stoffwindeln halten nicht soviel aus, wie die meisten Wegwerfwindeln. Man muss auf jeden Fall anfangs häufiger mal nachsehen, wie voll die Windel bereits ist.

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Zum Sauberwischen benutzen wir unsere Mulltücher. (Gibt es echt einen Kinderhaushalt, der keine hat?? 😀 ) Man kann auch Baumwollwaschlappen extra für den Windelgebrauch kaufen. Das bleibt jedem selbst überlassen.

Alles was „voll“ ist sammeln wir im Wetbag. Ist das Wetbag abends nicht mal halb voll, warte ich den kommenden Tag ab. Spätestens am kommenden Tag wasche ich dann. Ich wasche sie nicht allein. Die Waschmaschine nur wegen zwei bis drei Windelsets laufen lassen finde ich verschwenderisch. Ich wasche meist Handtücher mit. (Die zusätzliche Wäsche lasse ich bis zu meinem regulären Waschtag unten liegen, das bringt mir sonst meine ganze Routine durch einander… 😉 ) Bis auf die Windeln mit dem großen Geschäft, die schmeiße ich sofort in die Waschmaschine und die wasche ich auch hin und wieder allein. Allerdings kommt das sehr selten vor, denn der Kleine geht bereits sehr gut auf die Toilette.

Im Kindergarten benutzt er keine Stoffwindeln. Er und seine Erzieherinnen haben einen völlig anderen Rhythmus und tatsächlich auch eigene Absprachen was das Trockenwerden-Thema angeht. Sie wissen, dass er gerne auf die Toilette geht und unterstützen das. Ich möchte, dass das Verhältnis unter ihnen so bleibt wie es ist. Mir gefällt das so. Dazu kommt, was ich immer auch berücksichtigen muss: Meine Kinder sind schon allein wegen ihres veganen Lebensstils in den Augen ihrer unterschiedlichen Betreuungspersonen vollkommen entrückt. Es ist für Kinder, die außerhalb der Norm sind immer noch nicht so einfach in Schule und Kiga. Zwar wird heute alles berücksichtigt, aber sie geraten immer wieder an neue Betreuungspersonen, die dann mit dem Thema erst mal wieder überfordert sind. Mein Älterer ist inzwischen tierisch genervt, dass er ständig wieder erklären muss, warum er vegan lebt. Er ist nicht genervt, weil er vegan ist, sondern dass es für die übrige Menschheit nicht so einfach zu begreifen ist. (Und am geilsten ist doch echt immer wieder, dass mir Leute sagen, ich könnte doch mit meinen Kindern zusammen „diese Tabletten“ einnehmen um Milchprodukte verdauen zu können und die Hautausschläge vom Fleischessen seien jawohl mit Kortison in den Griff zu kriegen… Äh…Hallo?) Der Kleine merkt inzwischen auch, dass bei ihm irgendwas anders ist. Ich möchte das Gefühl für ihn nicht noch verstärken. Vielleicht mache ich mir auch zu viele Gedanken und ihm wäre das alles völlig Schnuppe.

Wir haben für alles etwa dreihundert Euro ausgegeben. Wir hätten auch nur die Hälfte ausgeben können, wenn ich gebrauchte Windeln in seiner Größe gefunden hätte. Allerdings ist er bald trocken und darum habe ich jetzt einfach mal kein passendes Angebot abgewartet… Wenn wir mit dem Windel-Thema durch sind, werde ich die Windeln gebraucht verkaufen. Der Preis mag zwar ziemlich hoch erscheinen, aber für Handarbeit aus Deutschland in dieser guten Qualität ist das ein durchaus berechtigter Preis. Wir werden lange was von den Windeln haben.

Ich denke für den regelmäßigen Gebrauch wird man so circa fünf Außenwindeln brauchen, dazu etwa zehn bis dreizehn Innenwindeln und viele Einlagen. Das ist nicht so einfach zu sagen, weil alle Kinder vollkommen individuell sind. Wir kommen mit dem was wir jetzt haben, wenn wir sie nonstop verwenden, sehr gut aus. Waschen müssen wir in diesem Fall spätestens alle zwei Tage.

Die Qualität unserer Stoffwindeln ist wirklich sehr gut. Es gab bisher keine Verfärbungen, sie können in den Trockner und vor allem: Sie sind super gut und fest vernäht und sie sind angenehm weich. Außerdem bestehen die Windeln der Windelmanufaktur nur aus sehr hochwertigen Textilien. Alles passt ineinander. Die Lieferzeiten bei der Windelmanufaktur betragen elf Tage. Finde ich für handgearbeitete Produkte vollkommen ok. (War zwar merkwürdig so lange auf eine Lieferung zu warten, wenn man anderes gewohnt ist, aber ich denke davon sollte man sowieso mal abkommen, von dem Gedanken, alles sofort bekommen zu können….). Man kann sich auf Wunsch auch Einzelstücke anfertigen lassen.

Was ich auch sehr gut fand, war, dass  ein alter Karton für den Versand wieder verwendet wurde. Ich weiß, dass es auch Leute gibt, denen das bestimmt nicht gefällt, aber wir fanden das super gut!

Trotz allem bleibe ich bei meiner ursprünglichen Meinung: Windelfrei wäre am Besten gewesen. Ich habe es aufgrund von viel zu viel Alltagsstress dreimal nicht geschafft, eine windelfreie Erziehung durch zu ziehen, obwohl der Kleine es super gut angenommen hat. Wer Interesse an diesem Thema hat, dem möchte ich gerne folgende Bücher ans Herz legen: „Es geht auch ohne Windeln“ von Ingrid Bauer und „Beyond the sling“ von Mayim Bialik. Letzteres ist nicht nur ein Guide zur windelfreien Erziehung, es geht insgesamt um Attachment Parenting, Stillen, Tragen, Familienbett- das Gesamtpaket sozusagen. Ich fand es sehr hilfreich bezogen auf mein gesamtes Leben als Mutter. Außerdem leben Mayim Bialik und ihre Kinder auch vegan und sie steht Konsum sehr kritisch gegenüber, was das Buch für mich noch wertvoller gemacht hatte.

So! Nun bin ich wieder völlig vom Thema abgekommen, aber irgendwie auch nicht, weil irgendwie hat das alles (Stoffies, Windelfrei und Attachment Parenting) für uns soooo irre viel mit dem Thema zerowaste zu tun – ein einzelner Artikel reicht gar nicht aus um wirklich alle Aspekte vollkommen zu beleuchten.

Hier könnt ihr bei der Windelmanufaktur noch einmal direkt allgemeine Infos zum Thema Stoffwindeln nachlesen. Außerdem findet ihr hier einen Kostenvergleich zu normalen Wegwerfwindeln und eine Anleitung zum Waschen. Es werden unterschiedliche Waschmittel empfohlen, und es gibt eine Verlinkung zu einem Rezept für selbst gemachtes Waschmittel, das besonders gut für Stoffwindeln sein soll. Ich würde gerne das selbst gemachte Waschmittel verwenden, doch ich habe wie schon einmal erwähnt Probleme unverpackt an Aleppo bzw. vegane Kernseife zu kommen…

Es gibt noch viele viele andere Stoffwindel-Arten und auch Stoffwindel-Hersteller. Hier ist eine kleine (mit Sicherheit nicht vollständige) Übersicht:

  1. Die Naturwindel-Seiten
  2. Die besten Stoffwindeln
  3. Stoffywelt

Ich hoffe, ich konnte wenigstens eine/n Leser/in vom Stoffwindel-Thema (oder gar von der Windelfrei-Methode) überzeugen!

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4 Kommentare

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  3. ja, es nervt total denn als veganer_in hat man zu tierischen stoffen (leder, wolle..) sehr oft leider nur plastik als alternative :(

    wir werden auch stoffwindeln verwenden-von anfang an. habe zum glück 20 stück gebrauchte windeln mit vielen dünnen und dicken einlagen und noch fleece und einigen zusätlichen sachen um ca. 160€ ergattert :)
    greets cao

    • Hi Cao!
      Cool, dass ihr die Stoffwindeln so günstig bekommen habt. Das war eigentlich auch der Wert, den ich ausgeben wollte. Aber gut. Wir sind jetzt super zufrieden. Ich finds toll, dass ihr euch von Anfang dafür entschieden habt!
      Ja, das mit dem Material ist schon blöd. Allerdings haben wir in unseren veganen Zeiten oft automatisch zu Baumwolle gegriffen um Kunstfaser und Tierprodukten aus dem Weg zu gehen. Baumwolle, genau wie Kaffee, Kakao und ähnliche Produkte werden ebenfalls nicht zu den günstigsten Bedingungen hergestellt… Irgendeinen Haken gibt es immer…
      Viel Erfolg für eure Stoffwindelzeit!
      Ganz liebe Grüße, Ilka

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