Routinen, Zeitpläne usw.

WP_20160307_10_17_44_Pro

Über Routinen und Zeitpläne und andere Ordnungsstrukturen wollte ich schon immer mal schreiben. Allerdings dachte ich da mehr so an: Morgens stehe ich auf, dann schreibe ich meine Morgenseiten, dann mache ich eine Stunde Sport, Badroutine, Frühstück usw. und das alles macht mich soooo glücklich und ich lebe so strukturiert, dass ich sogar Toiletten-Zeiten habe wie Sheldon Cooper.

Also in der Realität sieht das so aus: Irgendwann zwischen 20h und 24h fallen Felix und ich kraftlos ins Bett. Manchmal haben wir es noch geschafft alles aufzuräumen (was sehr selten der Fall ist), meistens ist es halb aufgeräumt, hin und wieder habe ich morgens keine Lust aufzustehen, weil ich ganz genau weiß, was mich in der Küche erwartet.

Wenn wir Glück haben, schlafen wir die Nacht durch. (Das hängt davon ab ob die Kinder nachts Alpträume haben, im Traum weiter spielen, Fieber haben, Husten haben, Schnupfen haben, zehnmal auf die Toilette müssen oder mit den Kindern ist alles in Ordnung und stattdessen brettern die Erntefahrzeuge von 5h morgens bis 24h Uhr nachts mit den gesamten 60km/h, die ihnen zur Verfügung stehen durch den Ort (wir haben inzwischen gefühlte 5-6 Ernteperioden: Mais, Mais, Rüben, Mais, Getreide und achja: Mais!!!). Manchmal möchte auch einfach der Kater um 4h morgens noch ein wenig Aufmerksamkeit. Ist dann so. Ich heul nicht, ich sag es bloß. 😀 ) Irgendwann zwischen viertel nach fünf und sechs rollen wir uns dann aus dem Bett und fangen mit der Morgenroutine an.

Aber was heißt hier Routine? Manchmal bin ich morgens so erschöpft von der Nacht, dass ich im Sessel sitze und mich die ganze Zeit frage, warum ich so früh wach bin. Wenn es dann ab viertel nach sieben hektisch wird, die Kinder noch nicht angezogen sind, zwischen Tablet, Spielzeugautos, Eisenbahn und schmutziger Wäsche vom Vortag versuchen zu frühstücken, weiß ich dann wieder was ich eigentlich zwischen viertel nach fünf und sechs Uhr früh erledigen wollte.

WP_20160307_09_34_16_Pro

Aktueller Status Kinderzimmer. Das letzte Mal aufgeräumt: Freitag Nachmittag, als knapp vor drei Tagen.

Im Idealfall schaffen wir es morgens den Fußboden aufzuräumen, das Essen für den Tag vorzubereiten (einen kleinen Salat, ein gedämpftes Gemüse, eine Sorte Getreide, eine Sorte Hülsenfrüchte – im Laufe des Tages mache ich dann unterschiedliche Sachen daraus (siehe Kochen im Wochenturnus)), Frühstück zu machen (eine Bananen-Hafer-Leinsamen-Milch (natürlich gesüßt) für die Kinder, einen grünen Smoothie für Felix und mich (beides für den ganzen Tag), einen Haferbrei, Brot mit etwas Auswahl (fertiger Aufschnitt vom Supermarkt), eine kleinere Menge klein geschnittenes Obst und ein paar Trockensachen), die Lunchbox für den Großen zu bestücken, eine Lunchdose und einen großen Becher voll Smoothie für Felix fertig zu machen und einen Tee zu kochen, den alle mögen. An ganz guten Tagen, schaffe ich es sogar meine Badezimmer-Routine noch zu erledigen bevor alle das Haus verlassen haben…

Mehr ist morgens einfach nicht drin. Geht es nur mir so oder gehört das einfach zum Familien-Paket dazu?

Dadurch, dass wir morgens so viel vorbereiten, habe ich natürlich im Verlaufe des restlichen Tages mehr Zeit. Aber die brauche ich auch. Nein ich verwende sie nicht für meine Gesangs- oder Klavierübungen und auf jeden Fall auch nicht für regelmäßigen Sport, den ich eigentlich ziemlich gut gebrauchen könnte.

Ich räume hier auf, räume da auf, putze hier, putze da, schreibe was für den Blog, dann hole ich das Kind bzw. die Kinder nach Hause (kommt drauf an, was in der Schule ansteht, manchmal ist es einfacher den Großen abzuholen), dann mache ich Essen warm, räume wieder alles weg, dann mache ich mit dem Großen Hausaufgaben, lege den Kleinen hin, gönne dem Großen meine Aufmerksamkeit (der inzwischen viel zu oft das Gefühl hat, wir würden uns nur noch um den Kleinen kümmern), dann wecken wir den Kleinen, butschern draußen rum, ich hacke ein wenig im Garten, fege ab und zu die Auffahrt, helfe ein wenig beim Hausbau, dann hauen wir uns zusammen vor den Fernseher (ich lasse die Kinder ungern allein fernsehen, ich will wissen was sie sehen und mit ihnen sofort darüber sprechen), zwischendurch schmiere ich Brote für den kleinen Hunger, dann geht’s wieder hoch, dann spielen wir hier zusammen, malen was, basteln was, bauen die Eisenbahn auf oder die Murmelbahn, lesen zusammen was (das muss dann alles auch wieder aufgeräumt werden) und dann wird wieder Essen gemacht, dann ist Tobezeit (wenn Papa wieder da ist, wird immer getobt), dann versuchen wir zwischendurch wieder etwas Ordnung zu schaffen und schwups ist der Tag vorbei. Wahlweise haben wir Spiel-Besuch oder eins der Kinder (oder beide) sind woanders zum Spielen. Einmal in jeder geraden Woche und zweimal in jeder ungeraden Woche kommt unsere Kinder-Sitterin und verbringt einen Nachmittag mit den Kindern. Sie ist Erzieherin in Ausbildung und sieht hier eine schöne Gelegenheit Gelerntes in die Praxis umzusetzen. Diese Nachmittage nutze ich dann meistens für die Wäsche. Hin und wieder unternehmen wir dann auch unter der Woche was zu viert, ohne den Papa oder machen im Garten mal was zusammen, wofür man mehr als einen Erwachsenen braucht. Die Kinder helfen mal im Haushalt, mal helfen sie nicht. Das ist bei uns kein Zwang. Wir versuchen da eher in einem entspannten Beispiel voran zu gehen. (Die Betonung liegt hier auf entspannt… 😀 ) Und es ist auch ganz klar: unser Unordnungsmonster ist auf jeden Fall der Kleine. Das wird sich natürlich früher oder später legen.

WP_20160307_10_00_33_Pro

Zeit für Freizeit? Joaaaaa, manchmal…

Wenn ich vier Kinder im Haus habe, habe ich das Gefühl ich wäre Schachmatt gesetzt. Ich sitze oft handlungsunfähig oben im Sessel und warte. Alle fünf Minuten: Mama! Peter hat mich umgeworfen! Mama! Karl gibt mir das Auto nicht wieder! Mama! Können wir ein Eis von Opa holen? Mama! Wir haben Hunger! Mama! Können wir Wii spielen? Mama! Wir wollen jetzt raus! Mama! wir wollen wieder rein! Mama! Können wir malen? Mama! Bernd hört nicht auf uns zu ärgern! Mama! Uns ist das Flugzeug in den Teich gefallen! Mama! Wir haben Durst! Mama! Haben wir noch Chips? Wieso hast du keine Chips gekauft? Mama! Karl hat das ganze Affen-Spiel ausgekippt! Mama! Wir wollen jetzt das Labyrinth spielen! Mama! Bernd hat die ganze Eisenbahn ausgekippt! Mama! Kannst du mir das Wolfskostüm anziehen? Mama! Haben wir noch Apfelsaft? Mama! Können wir ein Puzzle puzzeln? Mama! Bernd hat das ganze Puzzle ausgekippt und er hat es voll mit Absicht gemacht! Mama! Wo ist mein Tablet? Mama! Ich kann meine StarWars-CD nicht finden! Mama! Wir wollen noch ein Eis!… Also ehrlich: Ich kann mich dabei einfach nicht konzentrieren. (Die Namen im Text sind abgewandelt, wir kennen keine Kinder, die Peter, Karl oder Bernd heißen. 😉 )

Ich komme immer wieder in blank geputzte (Kinder-) Haushalte und manchmal habe ich wirklich das Gefühl mit mir stimmt irgendwas nicht. Warum ist es bei uns nicht so ordentlich? Dann gehe ich wieder strukturierter vor, kümmere mich mehr um den Haushalt, habe alles sauber, alle meine Dinge sind erledigt und die Kinder zanken sich, wir streiten untereinander mehr, die Unzufriedenheit steigt usw. Unser Zerowaste Lebensstil hat uns in vielen Bereichen sehr geholfen. Das Aufräumen und putzen ist einfacher geworden, aber es erledigt sich natürlich immer noch nicht von selber. Mir wird manchmal, vor allem von Erwachsenen, die keine Kinder haben oder deren Kinder den Großteil des Tages fremd betreut werden, vorgeworfen, meine Wohnung könnte etwas sauberer sein. Könnte sie auf jeden Fall!

Unterm Strich habe ich das Gefühl, ich wäre den ganzen Tag in Bewegung ohne sichtlich etwas geschafft zu haben. Doch dann frage ich mich wieder, was ich alles mit den Kindern zusammen getan habe und dann frage ich mich: Was ist denn wichtiger? Die Kinder oder ein sauberes Haus? Und muss ich als zweifache Mutter, ernsthaft noch nebenbei alles Mögliche an Fortbildungen absolvieren? (Höre ich auch immer wieder ungefragt: Diese nicht arbeitenden Mütter, die sitzen doch sowieso nur zu Hause rum und machen nichts! Ähm ja. Dafür kriegen sie aber auch kein Geld – zumindest ich nicht. ) Oder, für mich noch wichtiger: Wie kombiniere ich das alles? Wie kriege ich es hin, dass alles stets aufgeräumt ist (ohne permanentes Gemoser zu ernten) ohne zu viel auf einmal erledigen zu müssen und trotzdem viel Zeit mit den Kindern (und im besten Fall sogar teilweise mit meinen Hobbies) verbringen zu können?

In Punkto Minimalismus haben wir unser Limit erreicht. Wir haben nichts Überflüssiges mehr Haus. Auch nicht mehr im Kinderzimmer oder im Büro. Wir haben nur noch die Dinge, die wir wirklich brauchen und mit denen wir uns tatsächlich beschäftigen. Wir haben ein Level erreicht auf dem wir uns, im Bezug auf die Dinge, die wir besitzen, wohl fühlen.

Dann heißt es wieder, ich müsste mir Pläne erstellen und mehr (echt noch mehr?) mit den Kindern unternehmen, damit sie ausgelastet sind. Also nehme ich mir vor, wir gehen ab jetzt jeden Tag für mindestens zwei Stunden raus, egal welches Wetter ist. Und dann stürmt und regnet es vier Wochen durch. Nach einer halben Stunde hat der Kleine trotz Fleece-Jacke, Schlechtwetterjacke, Schneehose, Schal, dicker Mütze und Handschuhe so kalte Hände, dass sie weh tun. Der Große ist in fünf riesige Pfützen gesprungen und hat nasse Füße. Nach dem dritten Nachmittag draußen haben die Kinder keine Lust mehr und ich bin genervt, dass ich jeden Tag Wäsche habe, obwohl mein Waschtag nur donnerstags ist. Es gibt einige Bereich und Lebenssituationen, die einfach nicht durch zu planen sind. Ich kann noch so sehr zerowaste oder minimalistisch leben oder Pläne machen.

Hin und wieder treffe ich Mütter, denen es so geht wie mir. Nach deren Aussagen verbringen sie ähnlich viel Zeit mit ihren Kindern. Teilweise haben diese noch einen Halbtagsjob, teilweise nicht, einige haben mehr Kinder als ich, einige genauso viele. Die meisten räumen nur auf wenn sie Besuch erwarten oder kümmern sich jeden Tag um ein anderes Zimmer oder einige der Kinder, die sie haben, sind etwas älter und können bereits einen Teil der Haushaltspflichten übernehmen.

Ich empfinde das nicht als Belastung. Ich wollte diese Dinge einfach nur mal klar stellen. Unser Leben ist sehr bewegt. Und es mag vielleicht so aussehen, als würden wir ein total korrektes zerowaste Leben führen, in dem alles ordentlich, sauber und durch geplant ist. Das ist es nicht. Zerowaste: Ja. Minimalistisch: Soweit Durchführbar, ja. Vegan: 100%. Ordentlich und strukturiert: An ungefähr fünf Tagen im Monat (grob geschätzter Wert).

Ich habe den Artikel jetzt nicht nur geschrieben, um einen Einblick in unser Chaos zu schaffen. Ich wollte ihn eigentlich nutzen, um mich dieser Herausforderung zu stellen: Ich will ab heute einige Routinen einführen und mich dreißig Tage daran halten. Ich habe einen Plan erstellt (mal wieder) an den ich mich halten möchte. Vielleicht schaffe ich das. Vielleicht muss ich ihn korrigieren.

Wie handhabt ihr das so bei euch? Habt ihr feste Regeln und Pläne, an die sich alle halten? Müssen eure Kinder viel im Haushalt helfen? Habt ihr einfach die massiven Unordnungs-Phasen eurer Kleinen ausgesessen? Oder geht es euch eher so wie mir und eure Strukturen versinken im Alltag? Vielleicht hat ja jemand Lust mitzumachen? Teilt mir eure Erfahrungen, Ansichten und gerne auch eure Erfolge :) in den Kommentaren mit!

Hier ist sehr schöner Blog zum Thema Routinen und Ordnungs-Strukturen.

In diesem Sinne: Gebt dem Chaos keine Chance! 😀

2 Kommentare

  1. Ich finde immer wieder interessant wie andere es machen und das die Top aufgeräumten Wohnungen doch eher ne Ausnahme sind.wir sind auch 4 Personen und leben ebenfalls aufn Land. Dadurch das meine Frau Gesundheitlich eingeschränkt ist muss ich neben Geld ranschaffen auch noch ein grossteil der Hausarbeit machen . Beimir läuft es meistens so um 3:00 Uhr klingelt der Wecker dann mache ich mir nen Kaffee und ab ins Bad danach evtl. Wäsche aufhängen und oder Starten und oder Spülmaschiene aus und einräumen gegen 4:00 wecke ich meine Frau die schmiert mir dann Arbeitsbrote und wenn ich mit meinen morgen arbeiten schon fertig bin setzte ich mich mit an den Tisch und wir Frühstücken und quatschen. Um 4:30 gehts dann ausm Haus . Zuhause ist dann der nächste Schritt um 6:00 da weck meine Frau die Kinder waschen anziehen Frühstück , vergessene Hausaufgaben und um 7:30 bringt meine Frau die Kinder zum Bus. Seitdem wir einen Fussweg zur Bushaltestelle haben könnten die eigentlich auch alleine gehen möchten aber noch gebracht werden.

    Gegen 17:30 bin ich wieder zuhause und nutze meistens die Wartezeit die anfällt ( ca 10-15 min.) um minieinkäufe zumachen. Zuhause heist es dann Hausarbeit und Abenbrot vorbereiten teilweise Fernsehn, um 19:00 gibts dann Abendbrot danach wird bis kurz nach 20:00 Fernsehn geguckt dann Kinder Bettfertig machen Hörspiel anschalten oder noch etwas erzählen und gegen 21:00 gehe ich dann auch ins Bett . Wir klappt das den bei euch mit nur einem Waschtag? Wir haben pro Woche 5-7 Maschinen und können drinnen nur 2 und draussen 4 aufhängen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *