Pleiten, Pannen und absolute Katastrophen!

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Meine Güte! Ich habe wirklich schon gedacht, ich schreibe nie wieder einen Beitrag für den Blog! Wir haben eine unglaublich verrückte Zeit hinter uns gebracht.

Ich würde ja heute gerne schreiben was für Erfolge wir in den vergangenen Wochen erzielt haben, wieviel Müll wir einsparen konnten und zu was für genialen Minimalisten wir uns weiterentwickelt haben, aber ich muss leider sagen: Die vergangenen Wochen waren die reinste Katastrophe!

Plastik hier, Plastik da, Verpackungen vom Chinesen, Verpackungen vom Döner-Laden, Schwarze-Augen-Bohnen in der Plastik-Verpackung, Waschmittel von Persil im MEGA(!)-Pack… Ich würde mich wirklich am liebsten irgendwo verstecken, vor allem, weil es mir grade vollkommen egal ist.

Ich bin direkt nach Verfassen meines letzten Artikels krank geworden. Wieder. Diesmal habe ich die vorherige Erkältung nicht richtig auskuriert. Ich hatte eine richtig ätzende, super hartnäckige Nebenhöhlenentzündung. Und da ich weder Antibiotika noch all diese „natürlichen“ schleimlösenden Mittelchen vertrage war diese Erkrankung auch sehr heftig und langwierig. Sechs Tage lang habe ich nur im Bett gelegen. Mein bester Freund war meine Inhalier-Schüssel! Felix hatte zum Glück noch Urlaub und konnte sich um die Kinder kümmern. An den Wochenenden waren meine Schwiegereltern da und haben sich um einige Dinge gekümmert, wie zum Beispiel Einkaufen gehen. Und nein, sie sind natürlich nicht bis nach Kiel für uns gefahren… Felix hatte versucht so weit wie möglich den Müll einzugrenzen in dem er hin und wieder im Unverpackt-Laden war, aber es war alles vollkommen unorganisiert. Was bringen uns Kidneybohnen und Kichererbsen, wenn wir vergessen sie rechtzeitig weich zu kochen? Wenigstens hatten wir die ganze Zeit unverpacktes Toilettenpapier! Darauf hatten wir irgendwie extrem viel Wert gelegt… 😀

Am schlimmsten jedoch war das Chaos! Meine Schwiegermutter hat immer mal wieder grob aufgeräumt, aber es ist einfach zu viel liegen geblieben. Ich konnte die Wäsche nicht erledigen, Felix hat den Kindern teilweise was zum Anziehen direkt aus dem Trockner geholt. Und der Kühlschrank: Ich habs einfach nicht geschafft, den Kühlschrank leer zu kochen! Felix und die Kinder haben sich hauptsächlich von Brot und Rohkost sowie mitgebrachtem Essen, dass Felix von unterwegs irgendwo organisiert hat, ernährt.

Vorletzte Woche hatte Felix dann nur noch die Hälfte der Lebensmittel geholt, die wir normalerweise brauchen und nun kommen wir so langsam wieder auf eine Ebene. Außerdem bin ich jetzt wieder soweit fit, dass ich alle Ecken wieder aufräumen konnte (Schwiegermama hat mir am Wochenende noch mal kräftig geholfen) und nun hallt es endlich wieder in der Wohnung. Alles sieht wieder angenehm leer aus und man kann endlich wieder frei denken und schaffen. Ich habe wieder einen Überblick über unsere Schränke und den Kühlschrank. Was bin ich froh!

Was für eine Belastung! Ehrlich! Ich habe zwischendurch immer wieder gedacht: „Ich schmeiß jetzt alles hin! Wir leben nicht mehr zerowaste, vegan ist schon anstrengend genug usw. usf.“ Was im Nachhinein betrachtet quatsch ist. Wir haben trotz allem sehr wenig Müll produziert. Der meiste Müll fiel an, als unser Großer in dieser chaotischen Phase auch noch seinen Geburtstag feierte. Mein Schwiegervater war so lieb und hat alle Spiele organisiert und sich ganz super mit der ganzen Kinderschar beschäftigt. Er hatte für die Kinder eine Tüte voll mit kleinen Preisen organisiert. Natürlich stand auf 80% dieser Kleinigkeiten „Made in China“ und es war alles in Plastik eingeschweisst. Tja. Ich hätte mich auch selbst um alles kümmern können, wenn ich den Geburtstag noch mal um ungefähr 4 Wochen verschoben hätte. Es passiert mal wieder alles gleichzeitig: Ich bin krank, es gibt Probleme in der Schule, der Große hat Geburtstag, der Kleine ist auch krank, wir mussten mit beiden Kindern im Abstand von einer Woche in die Notfallstation des Krankenhauses (der Eine entwickelte über Nacht eine Mittelohrentzündung, der Andere fiel beim Toben auf den Kopf und alles war voller Blut (nichts Schlimmes passiert, war nur eine Platzwunde)), achja: Felix hatte auch Geburtstag während ich krank war, Felix ist nebenbei in jeder freien Minute auf dem Bau, ich müsste mich eigentlich mit meinen beiden Chören auf zwei Auftritte vorbereiten, außerdem müsste ich auch noch zwei Solostücke einüben und achja genau, ich hab ja dann bald auch schon wieder Geburtstag… Man… Ich will ja nicht heulen… Aber…  😀

Ich habe beschlossen in dieser Zeit beide Augen ganz fest zuzukneifen und alles was ich nicht selbst in die Hand nehmen konnte abzugeben. Egal, ob jetzt Müll anfällt oder nicht. Und obwohl viel Müll angefallen ist, muss ich doch sagen, es war weniger als erwartet. In diesen ganzen drei Wochen ist ein gelber Sack voll geworden. Unsere Mülltonne stellen wir zwar regelmäßig alle zwei Wochen an die Straße, doch es ist kein Müll aus unserem Haushalt darin. Alles was dort hinein geht, ist Müll, der beim Hausbau anfällt. (Ja, es fallen beim Hausbau auch Dinge an, die nicht in den normalen Müll gehören – man kennt uns inzwischen auf dem hiesigen Wertstoffhof und man trifft uns auch regelmäßig am Metall-Container… ^^). Diese Entdeckung war für mich, in dieser turbulenten Zeit, wirklich ein sehr sehr großer Trost. Eine weitere sehr großartige Entwicklung, die auch in dieser Zeit statt fand, war, dass der Kleine trocken geworden ist. Vollkommen. Er hat sogar heute Nacht, das erste Mal ganz ohne Windel geschlafen. Er hatte zwar Stoffwindeln, die er auch gerne verwendet hat, aber er hat sich eben auch nicht ganz von den Wegwerfwindeln trennen wollen. Wir haben sie so oft es ging wiederverwendet, da er sie nur nachts trug und morgens immer gleich als erstes auf die Toilette gegangen war, sind sie ja immer trocken geblieben. Aber irgendwann zerfetzen diese Dinger dann auch. Das liegt also hinter uns.

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Irgendwie bin ich ein wenig unzufrieden, dass es soviel Müll ist. Aber andererseits: Wahnsinn! 3 Gläser Müll seit November für zwei Personen!

Wir haben inzwischen drei Müllgläser: ein 3l-Glas (voll), ein 1,8l-Glas (voll) und ein 2l-Glas (aktuell in Nutzung). In diesen Gläsern haben Felix und ich hauptsächlich unseren eigenen Müll gesammelt. Vor drei Wochen haben wir festgestellt, dass die Kinder inzwischen so wenig Müll produzieren, dass ihr Müll nun auch in unsere Gläser wandern kann. Vorher hatten sie jeder ein eigenes 1l-Glas. Das war vor allem für Felix und mich wichtig, damit wir sehen konnten, wo noch Müll entsteht und ob wir das irgendwie reduzieren können.

Das mit den Müllgläsern wollten wir eigentlich gar nicht machen. Ich wollte das anfangs nur für mich machen, als ich damit im November 2015 startete. Aber dann war Felix vom Zerowaste-Leben so begeistert, dass er seinen Müll auch separat sammeln wollte. Also brauchten wir ein größeres Glas. Wir nahmen das 1,8l Glas. Dann wollten die Kinder jeder ein eigenes Müllglas. Wir hatten diese jeden Monat geleert. Hinein kam nur, was die Kinder wirklich allein konsumierten. Also hauptsächlich Verpackungen von Nasch- und Knabberkram. ^^ Dann kam die erste stressige Phase in diesem Jahr, als der Hausbau uns so extrem vereinnahmte. Da sammelte sich dann schon einiges mehr an. Also beschlossen Felix und ich unser 3l-Glas hinzuzunehmen. Tja und die Entwicklungen der letzten Wochen, in denen ich krank war, die landeten dann in dem aktuellen 2l-Glas und in dem gelben Sack, den ich bereits oben erwähnte. Um das nun alles einzeln auszupacken und zu benennen finde ich ist es jetzt zu viel. Zumal bei uns auch immer noch Glas- und Papiermüll anfällt. Der meiste Papiermüll findet durch die Schule einen Weg in unser Haus. An unserem Briefkasten haben wir inzwischen genügend Schilder, die ganz deutlich machen, dass wir keine Verwendung für Spam-Post haben. Trotzdem taucht immer mal wieder der eine oder andere Katalog auf. Da hilft nur direkt den Kundenservice des entsprechenden Versandhauses zu kontaktieren. Dann ist die Sache gleich erledigt. Tja und aufgrund der aktuellen Hektik, sind wir dazu übergegangen einige Sachen in Gläsern zu kaufen. Brat-Öl ja sowieso und außerdem noch Apfelmus, Erdnussmus, Tahini und hin und wieder tatsächlich sogar noch mal Tomatensoße.

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Ja, einige brauchen eine Extra-Aufforderung ^^

Ein Gerät für diese Beschriftungen haben wir nicht. Allerdings hat Felix eins bei der Arbeit und durfte es freundlicherweise für den Privat-Gebraucht nutzen. Die übrig gebliebenen Folien-Streifen sind in die Müllgläser gewandert.

Außerdem haben wir beschlossen, den Kindern ihren Wunsch nach den letzten Naschies und nach ihren Lieblings-Ersatzprodukten, die wir nur im Supermarkt bekommen, erst einmal zu gewähren. Wir sind dazu übergegangen diese einfach in der Verpackung zu kaufen und sie dann im Kofferraum umzupacken. Das machen wir mit unserem Tofu auch so. Die Verpackung lassen wir dann vor Ort. Das erlaubt nämlich die Verpackungs-Verordnung. Hier bei Sina könnt ihr das nachlesen. Dieser Schritt hat dazu geführt, dass unser Haus nun eigentlich müllfrei ist. Wenn wir mal von diesen durch meine Erkrankung bedingten Aussetzern mal absieht und von dem Müll, der durch den Hausbau anfällt.

Außerdem haben wir festgestellt, dass wir sozusagen fertig sind. Wir haben nichts mehr, was wir noch ändern könnten. Alles was wir nicht mehr brauchen ist weg. Es befinden sich nur noch Dinge im Haus, die wir wirklich benötigen oder auch behalten wollen.

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Wir sind eine ziemlich kreative und Musik-Begeisterte Familie. Also haben wir einiges an Mal- und Bastelkram da und natürlich zwangsweise auch Noten. Es würde mir auch sehr fehlen, wenn wir nicht mehr mit Papier kreativ sein würden. Ich habe einerseits schon ein schlechtes Gewissen, wegen des Papierverbrauchs und finde es auch überhaupt nicht in Ordnung, dass soviel Papier verschwendet wird. Aber ich finde es auch wichtig, dass Kinder sich auf dem Papier entfalten können. Mich persönlich beruhigt es sehr, wenn ich auf Papier male oder schreibe – mehr als wenn ich es am Rechner mache. Eine Zeit lang haben wir für unsere Einkaufszettel eine App benutzt, aber wir kommen damit nicht so gut zurecht. Wir übersehen darauf Dinge oder kaufen doppelt ein. Ich finde die Listen-Apps unübersichtlich. Ich schreibe lieber handschriftlich auf Papier. Aber da gehen wir vorbildlich mit unseren Zetteln um: Wir benutzen Vorder- und Rückseite und wir verwenden dafür hauptsächlich die Mitteilungszettel an die Eltern, die der Große mit nach Hause bringt. (Natürlich erst wenn sie nicht mehr up to date sind. :) )

Lauter, lauter Kunstwerke... <3

Lauter, lauter Kunstwerke… <3

Das ist nicht zerowaste. Aber es stört mich nicht. Bin ich jetzt ein schlechterer Mensch?

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Tja, so sieht es momentan aus, wenn wir im Supermarkt einkaufen waren. Das sind nicht die gängigen Lebensmittel, die wir dort kaufen, in diesem Fall musste ich für den Kindergeburtstag Schoko-Muffins backen, ausdrücklich Schoko-Muffins! Und Erdbeertörtchen mit Schlagsahne! Und nein, die von mir vorgeschlagenen verpackungsfreien Alternativen waren dieses Mal kein Kompromiss… Schokolade bekommen wir eigentlich schon unverpackt, aber sie war dieses Mal restlos ausverkauft….

Ich liebe meine Wohnung so wie sie jetzt ist. Der ganze unnütze „Kram“ ist jetzt weg. Wir haben wieder freie Bahn für die Dinge, die wir gerne machen.

Ich finde es wichtig immer mal wieder darüber zu berichten, dass es auch Rückschläge gibt oder das man auch mal seine Ziele überdenken muss. Der Kern von Minimalismus und Zerowaste ist ja ein gutes Lebensgefühl zu entwickeln und mehr Zeit für die wichtigen Dinge im Leben zu haben. Das bedeutet vor allem auch zu wissen, was für einen selbst die wirklich wichtigen Dinge im Leben sind! Ich habe mich manchmal so im Reduzieren vergessen, dass ich dieses Ziel aus den Augen verloren habe. Wichtig ist mir vor allem meine Familie, dass wir zusammen viel Zeit verbringen können, dass wir nicht nur Unternehmungen veranstalten, sondern auch mal zu Hause zusammen am großen Tisch sitzen und malen oder draußen im Garten toben und die Kinder sich in der Sandkiste verausgaben. Und mir sind auch meine Hobbies sehr wichtig, von der Stricknadel bis zum Notenblatt und ich will davon kein Einziges missen! Was bringt mir der Minimalismus wenn mein Leben auf einmal leer ist? Was bringt mir Zerowaste, wenn ich vor lauter selber machen keine Zeit mehr habe für andere Dinge?

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Und wie man einen Kindergeburtstag halbwegs „zerowaste“ veranstaltet, das berichte ich beim nächsten Mal! 😉

4 Kommentare

  1. Pingback: Zerowaste ohne einen Unverpackt-Laden? – the simple home

  2. Pingback: Ein veganer Kindergeburtstag – „Semi-Zerowaste“ – the simple home

  3. Ich kenne das, gerade in den turbulenteren Zeiten, die man als Familie nunmal hat, wiegt es doppelt schwer, wenn wir noch auf die Ernährung (vegan), das ethisch verantwortungsbewusste Einkaufen und die Müllreduktion achten müssen. Ich bekomme dann manchmal ein unglaublich schlechtes Gewissen, wenn mal was nicht nach Plan läuft (und ich doch schnell das günstige Gemüse aus dem Netto um die Ecke hole MIT Plastikverpackung). Wir sind halt nicht perfekt :-) Liebe Grüße! Sina

    • Hi Sina,
      es geht mir wirklich genauso. Ich habe auch ein super schlechtes Gewissen, vor allem weil ich ja auch unbedingt ein gutes Vorbild für die Kinder sein will… Recht hast du. Es hilft nur anschließend einfach weitermachen! 😀 Ganz liebe Grüße, Ilka

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