Was ich Neu-Veganern heute raten würde:

WP_20160523_11_24_01_Pro

Irgendwann hatte ich diesen Blog mal als veganen Blog gestartet. Und es ist ja auch immer noch ein veganer Blog, nur dass er sich eben thematisch etwas erweitert hat. Ich hatte damals meine Empfehlungen für Neu-Veganer veröffentlicht. Es war keine sehr umfangreiche Sammlung an Ratschlägen und sie orientierte sich auch mehr an der Art und Weise, wie ich meine eigene Umstellung hinter mich gebracht hatte. Ich bin damals in meiner Umstellung vor allem was Milchprodukte anging sehr konsequent gewesen, weil ich ja auf einmal die Laktose-Intoleranz hatte. Jede noch so kleine Menge eines Milchproduktes hatte/hat für mich äußerst schmerzhafte Konsequenzen. Das war also recht einfach. Die Lust auf Fleisch, Eier und Fisch war mir sowieso schnell vergangen, da ich während meiner Umstellung schwanger war und ich jeden Morgen mit Übelkeit erwachte und auch meistens mit Übelkeit schlafen ging. Die Gerüche von Fleisch, Fisch, Käse und kochender Sahne waren überwältigend ekelerregend für mich. Allerdings kannte ich das schon aus meiner ersten Schwangerschaft und ich möchte gerne fairerweise festhalten, dass ich die Gerüche von gedämpftem Lauch und so ziemlich allen unterschiedlich gegarten Kohlgemüsen genauso widerwärtig fand. Es blieb trotzdem noch genügend zu essen übrig: Rote Beete, Avocados, Bananen etc. Und vor allem meine heiß geliebten Tomaten! Der Anblick eines rohen Eis in der Pfanne, gab mir den Rest in Bezug auf Eier.

Tofubrot

Der Klassiker: Tofu auf Brot! 😀 In der Umstellung eins unserer Lieblingsgerichte, essen wir heute tatsächlich noch regelmäßig… ;)

Ich habe hauptsächlich meine Lieblingsgerichte veganisiert. Das heißt anstelle von Tomaten-Schafskäse-Auflauf mit frischem Basilikum gab es jetzt nur noch gebackene Tomaten mit Basilikum. Statt California Rolls gab es nun Avocado-Tomaten-Sushi. Statt Käse-Brot, gab es nun Avocado-Brot (oder andere fertige Aufstriche von Alnatura bis Zwergenwiese). Statt meiner geliebten Quessadillas, die eine Füllung aus Joghurt, Frühlingszwiebeln und Kidneybohnen hatten und mit einem Spiegelei on top serviert wurden, tauschten wir den normalen Joghurt gegen Sojajoghurt aus und ließen das Spiegelei weg. Es gab außerdem oft Spaghetti mit Tofu-Hack-Bolognese oder Spinatnudeln mit Tofu-Hack, frischen Tomaten und Hafer- oder Sojaquisine. Oder unseren Kohl-mit-Hack-(und Kartoffeln)-Topf – mit Soja-Hack dann. Und Sojacuisine. Und natürlich solche Klassiker wie Pfannkuchen, Milchreis, Grießbrei, Pellkartoffeln mit Sojajoghurt und Tofustäbchen, Kartopü aus der Packung mit TK-Spinat und gebratenem Tofu, Chili (mit Tofu-Hack oder ganz ohne Hack… – ja, wir haben das Thema „Soja/Tofu-Hack“ ziemlich intensiv ausgeweidet… 😀 ) Und Sonntags gibt es bei uns seit ewigen Zeiten immer Kartoffeln mit Gemüse, weißer Soße und irgendwas statt Fleisch.

Man kann sehen, wir sind da sehr klassisch vorgegangen. Wie fast jeder andere Veganer eigentlich. Zwischendurch haben wir mal einige Tage Rohkost getestet, einige Wochen lang haben wir makrobiotisch gekocht, konnten uns aber weder mit der einen Ernährungsform noch mit der anderen wirklich anfreunden. Und auch wenn ich echt neidisch auf Freelees Figur bin: Ich habe nicht genügend Geld um so viele Bananen für die ganze Familie zu beschaffen und außerdem kriege ich so viele Bananen auch gar nicht runter (und ich schaff schon drei Stück auf einmal 😀 ). Mal davon ganz abgesehen stehe ich dieser roh-veganen Küche tatsächlich sehr skeptisch gegenüber. Wir leben in Norddeutschland und uns stehen im Höchstfalle sechs Monate im Jahr frische rohe Nahrungsmittel in ausreichender Menge zur Verfügung. Ich glaube, dass wir nicht nur roh essen sollten. Wenn ich im Winter hauptsächlich rohes Obst und Gemüse esse, habe ich die ganze Zeit das Gefühl mir fehlt noch irgendetwas.

WP_20160523_11_22_56_Pro

Wir waren zwar mit der Umstellung auf die vegane Ernährung sehr zufrieden, aber was mir (und auch Felix) absolut nicht gefiel war, dass wir immer noch sehr viel Junkfood aßen. Wir hatten uns zwar aus „gesundheitlichen“ Gründen für die Ernährungs-Umstellung entschieden, jedoch nicht um gesund zu leben sondern um die Laktose-Intoleranz bei mir und den Kindern so elegant wir möglich zu umschiffen. Veganes Junk-Food, oder besser gesagt hochgradig verpackte vegane Fleisch-Alternativen gibt es ja inzwischen an jeder Ecke.

Aber eigentlich wollten Felix und ich auch endlich unsere überflüssigen Pfunde abschütteln ohne jeden Tag ins Fitness-Studio zu hechten, ohne ständig Kalorien zu zählen und ohne zu jeder Mahlzeit drei Gerichte auf den Tisch zu bringen: eins für den Großen, eins für den Kleinen und eins für Felix und mich. -.- Außerdem hatten Felix und ich immer mal wieder wochenweise die vollkommen fettarme Koch-Variante die ja von Esselstyn bis Mc-Dougall heiß, heißer, am heißesten empfohlen wird, getestet und fühlten uns damit körperlich wirklich am allerbesten. Wenn ich jedoch für die Kinder fettarm vegan koche, ernte ich echt nur lange Gesichter. Nur.!

WP_20160523_11_15_46_Pro

Nur die Milch machts? Nix da! Nur die Bohne machts! Satt nämlich :D

Irgendwann im vergangenen Jahr stieß ich bei Youtube über die Nelson-Familie aus Kalifornien. Oder besser gesagt hauptsächlich über Nina und Randa und ihre „what I eat in a day“-Videos, die rein ästhetisch betrachtet nicht so ganz viel zu bieten haben 😀 . Allerdings ist ihre Ernährungs-Art für eine Familie sehr praktikabel (und vor allem auch so aufschlussreich, da diese Familie drei vegane Kinder groß gezogen hat, ohne irgendwelche Schäden durch Mangelernärung…). Morgens wird in dieser Familie in einem großen Reiskocher eine Sorte Getreide gekocht (meistens Reis), parallel wird eine große Portion einer Hülsenfrucht gekocht. Außerdem wird im Backofen ein ganzes Rost mit Süßkartoffeln belegt und diese in einer Stunde weich gebacken. Der Gefrierschrank ist brechend voll mit tiefgekühltem Gemüse, Obst und Beerenfrüchten. Und jeder macht sich zu jeder Mahlzeit in der Mikrowelle was er grade haben will. Vom Oatmeal mit tiefgefrorenen Blaubeeren und selbstgemachter Bananenmilch (aus gefrorenen Bananen) und Wasser bis zur Schüssel Reis mit Süßkartoffeln, Bohnen, Tiefkühl-Gemüse und gefrorenen Mango-Stücken. Dazu gibt es unterschiedliche fertige vegane Dressings, Soßen, Ketchups, Hefeflocken oder Zitronensaft.

Ich musste bereits vor einer ganzen Weile meinen super-tollen Kochplan wieder komplett umschmeißen, weil die Kinder mein Essen (mal wieder) nicht essen wollten. Also habe ich gedacht ich versuchs wie die Nelsons. Morgens koche ich einen Topf voll Kartoffeln (Deutsche natürlich :D), dazu koche ich einen Topf mit Getreide (momentan vorrangig Reis), dazu koche ich eine Hülsenfrucht und das wars. Das Gemüse (oder Obst) schneide ich vorher klein. Die Kinder essen es lieber roh nebenher. Außerdem haben wir noch immer Brot im Haus. So haben wir zwar echt denkwürdige Nahrungsmittel-Zusammenstellungen (Kartoffeln, Brokkoli, Curry-Gewürzketchup, Linsen-Frikadellen und Schokotropfen – der Kleine liebt es halt exotisch…), aber es gibt keine langen Gesichter mehr, ich muss mich nicht mehr ärgern, weil ich auf meinem Essen sitzen bleibe und wir sparen sehr viel Geld (Grundnahrungsmittel sind auch in Deutschland sehr günstig). Unser einziger Wehrmuts-Tropfen: Alsan, Curry-Gewürzketchup und Tomatenketchup bleiben weiterhin die Würz-Lieblinge unserer Jungs und damit verursachen wir weiterhin Müll auf dieser Ebene.

WP_20160523_11_26_14_Pro

Meistens schmeißt sich also jeder in einer Schüssel alles zusammen was er möchte. Der Große ist beispielsweise gerne alles einzeln: Nur Kartoffeln (mit Salz-Pfeffer und Alsan) vorher oder hinterher Obst und Gemüse, nur Reis (auch mit Salz, Pfeffer und Alsan) oder nur Bohnen (mit Ketchup). Der Kleine isst mehrmals am Tag kleine Schüsseln mit Reis und etwas Sojasoße, dann wieder einige Kartoffeln mit Curry-Gewürzketchup und zwischendurch rohes Obst und Gemüse. Achja und Bohnen mit Sojasoße und Curry-Gewürzketchup. Und er isst auch sehr gern auf all seinen Kreationen einen Klecks Apfelmus… 😀

Und Felix und ich schmeißen uns meist alles zusammen auf einen Teller und essen es mit Zitronensaft und ein wenig Salz.

WP_20160523_11_33_29_Pro

Der Vorteil daran, wenn man auf diese Art kocht, ist, dass man immer fertige Grundnahrungsmittel im Haus hat und daraus tagsüber dann noch mal fix was Anderes draus machen kann. Dauerrenner Nr.1: Bratkartoffeln für die Jungs (mit Ketchup natürlich)! Und sonst: Reispfannen, Risottos, Kartoffel-Spalten oder Pommes aus dem Backofen, Kartoffelbrei, Reis-Salat, Kartoffel-Salat, Nudel-Auflauf, Frikadellen, Hummus (auch aus anderen Bohnensorten oder aus mehreren Hülsenfrüchten zusammen gemischt, um etwaige Reste zu verwerten) etc. etc. Und wenn wir dann immer noch mal etwas Abwechslung brauchen, dann gibt es Nudeln, Eintöpfe oder Felix‘ Pizza.

Noch mehr Vorteile:

  • Wenn Kartoffeln, Getreide und Co. bereits vorgekocht sind, dann hat man abends wenn man geschafft von der Arbeit kommt, schnell eine sättigende, warme und obendrein auch noch gesunde Mahlzeit fertig, die einen mit jeder Menge Energie versorgt (und nicht dafür sorgt, dass man obendrein noch müder wird und am liebsten gleich ins Bett verschwinden würde)
  • Linsen, insbesondere rote Linsen, sind turboschnell gekocht – zehn Minuten sind fast schon zuviel (schneller als Fastfood?)
  • weißer Reis ist ebenfalls irre schnell gekocht (in der Zwischenzeit kann man noch ein paar Tomaten oder Karotten klein schnippeln)
  • Bohnen-Reste kann man super in Brownies verarbeiten
  • Man muss sich nicht mehr den Kopf darüber zerbrechen was man kocht… das Essen ist bereits fertig

So konnten wir nun unsere fettarme Ernährung mit der fetthaltigen Ernährung unserer Kinder und unserem verpackungsfreien Lebensstil kombinieren. Fürs Erste. Es werden mit Sicherheit noch weitere spannende Lebensphasen auf uns zukommen, in denen ich wieder alle Routinen umkippen und mir was Neues ausdenken muss… ^^

Wie lautet also meine Empfehlung an Neu-Veganer?

Freundet euch so schnell wie möglich mit den Grundnahrungsmitteln eurer Region an. Sie sind sehr günstig, sehr sehr gesund, sehr lange lagerfähig (wie Kartoffeln, Karotten, Äpfel, trockenes Getreide, trockene Bohnen), sie schonen das Klima und die meisten sind sogar vollkommen verpackungsfrei zu bekommen. Außerdem: einen großen Teil seiner Grundnahrungsmittel kann man sich ganz einfach selber ziehen, wenn man einige Meter Garten zur Verfügung hat (Kartoffeln, Karotten, Äpfel (unser neuer Apfelbaum hat 20€ gekostet (neue vegane Schuhe sind teurer! 😉 und liefert uns ab jetzt jeden September völlig kostenfrei frische Bio-Äpfel), Bohnen).

WP_20160523_11_25_16_Pro

Hier habe ich eine kurze Liste mit Grundnahrungsmitteln, die ihr auf jeden Fall in eurem Supermarkt finden solltet (ich schließe verpackte Nahrungsmittel, auch in Konserven, in dieser Aufzählung mit ein).

Grundnahrungsmittel:

  • Kartoffeln
  • Karotten
  • Kürbis
  • Zwiebeln
  • Äpfel
  • Kohl
  • Bohnen (fast alle Supermärkte führen Kidneybohnen, weiße Bohnen, grüne Bohnen und Kichererbsen)
  • Linsen (rote und duPuy-Linsen sind Standard)
  • Spalterbsen (Gelbe und Grüne findet man am Häufigsten)
  • Reis
  • Graupen
  • Hirse
  • Couscous
  • Bulgur
  • Nudeln
  • Mehl
  • Tomaten in Form von passierten Tomaten, Tomatenmark, Tomatenstücken

Mit dieser Liste kommt man schon über eine Woche aus. Auch mit einer vierköpfigen Familie. Diese Zutaten reichen für mindestens ein Chili, einen Linseneintopf, einmal Linsenfrikadellen, ein Eintopf aus Spalterbsen, Nudeln und einige Brotaufstriche aus Kichererbsen oder weißen Bohnen. Die Eintöpfe lassen sich toll mit naturtrübem Apfelsaft, Tomatenmark, passierten Tomaten oder Tomatenstücken und Gemüsebrühe abschmecken. Dazu gibt es Reis, Graupen, Hirse, Couscous oder Kartoffeln. Andere Gewürze (ich kann vor allem Lorbeerblätter für Eintöpfe empfehlen) sind natürlich auch super! Aus braunen Linsen lässt sich auch eine wunderbare Linsenbolognese machen. Wenn man nun noch einige frische Obst und Gemüsesorten dazu kauft kann man seine Mahlzeiten ganz wunderbar mit einem frischen Salat und Obst als Vor- oder Nachspeise abrunden. Veganes Brot gibt es überall zu kaufen, trotzdem müsst ihr nachfragen (man glaubt gar nicht wo sich überall noch Butter und Eier verarbeiten lassen ^^) oder eben Zutatenlisten durchgehen oder ihr backt euer Brot selber. Das ist natürlich noch günstiger. Zum Abendbrot (oder auch zum Frühstück) kann man wunderbar die Reste verwerten: Entweder einfach nochmal erhitzen und in der gleichen Kombination wie zum Mittag essen oder eine Restepfanne draus machen.

WP_20160523_11_23_07_Pro

Allem voran steht immer noch die Planung – vor allem wenn ihr die Hülsenfrüchte getrocknet kauft. Die meisten Bohnensorten und auch Kichererbsen müssen auf jeden Fall einige Stunden eingeweicht und auch einige Stunden gekocht werden. Wir haben uns angewöhnt die Bohnen direkt vorm Schlafen gehen einzuweichen und sie direkt morgens nach dem Aufstehen aufzusetzen. Dann haben sie (zumindest bei uns) fast drei Stunden Zeit zum Kochen. Ich koche sie immer auf Stufe 7 (von 9) und schalte sie wenns richtig blubbert auf 6 runter. Später dann auf 5. Wenn dann alle um acht aus dem Haus müssen sind sie fertig. Wenn sie nicht fertig sind oder wir früher losmüssen, schalte ich einfach den Herd ab und gieß nochmal so ca. einen Liter Wasser an. Dann lass ich sie stehen, mit Deckel drauf und schalte den Herd wieder ein, wenn ich zurück nach Hause komme. Die Bohnen können von allein kochen. Man muss dafür nicht in der Küche sein. Hin und wieder sollte man mal nachsehen ob sie noch Wasser brauchen und dann welches nachgießen, aber das hat man schnell raus. Meiner Erfahrung nach können Bohnen gar nicht zu viel Wasser haben. Es ist mir noch nie passiert, dass sie dann aufgeweicht waren… Bei Reis ist mir das allerdings schon passiert ^^. Das überschüssige Wasser wird dann einfach am Ende abgegossen. Man kann sie natürlich auch tagsüber wenn man bei der Arbeit ist einweichen und sie abends kochen wenn man nach Hause kommt.

Achja – heimische Nusssorten gibt es übrigens auch: Im Garten meiner Eltern wachsen ein Walnussbaum, ein Haselnussstrauch und eine Esskastanie. Das Selbersammeln und Knacken lohnt sich wirklich, denn die eigenen Nüsse schmecken viel besser als die aus dem Handel! Vielleicht habt ihr ja jemanden in eurem Bekanntenkreis, der euch gerne was abgibt (normalerweise haben wir dann doch immer zu viel davon… ^^). Ist zwar jetzt nicht so die Nuss-Zeit in Deutschland, aber es lohnt sich, sich rechtzeitig umzuschauen… 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *