Zerowaste ohne einen Unverpackt-Laden?

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Das ist eine Aussage, die ich immer wieder höre: Ich würde ja auch gerne viel weniger Verpackungsmüll verursachen, aber ich habe keinen Unverpackt-Laden in meiner Nähe! Als erstes würde ich jedem raten, mal seine Möglichkeiten zu überprüfen. Es eröffnen inzwischen am laufenden Band „Unverpackt-Läden“, vielleicht ist bei dir einer in der Nähe? Außerdem hat Shia hier eine supertolle Liste sowohl mit „Unverpackt-Läden“, als auch mit anderen Geschäften, bei denen verpackungsfrei eingekauft werden kann. Seht einfach mal nach!

Zugegeben: Wir würden auch viel mehr Verpackungsmüll im Haushalt produzieren, wenn wir nicht einmal im Monat nach Kiel düsen würden. Aber es gibt einige Dinge, die jeder tun kann um seinen Verbrauch an Verpackungen (vor allem an Lebensmitteln) zu reduzieren.

  1. Immer einen (oder mehrere) Baumwollbeutel einpacken!
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    Das ist Felix‘ Notfallbeutel. Anfangs hatten wir ihn häufiger verwendet, damit Felix, wenn er unterwegs mal etwas ohne Verpackung findet, was wir benötigen, gleich zuschlagen konnte. Inzwischen nutzt er ihn so gut wir gar nicht mehr, weil unsere Einkaufs-Routinen sehr zuverlässig sind. Sein Beutel beinhaltet: drei unterschiedlich große Gläser, ein großes Wäschenetz und drei weitere unterschiedlich Große Baumwollbeutel. Damit hatte er immer genügend Behältnisse im Kofferraum, um, falls nötig sogar für drei bis vier Tage einkaufen zu können. Die Lunchbox hat er sich hin und wieder dazu gepackt, wenn er wusste, dass er eine größere Box brauchte.

    Wer keine richtige Einkaufsroutine hat und immer schnell irgendwo rein hüpft um sich was zu essen zu kaufen oder beim shoppen einfach nicht nein sagen kann, hat schnell eine Plastiktüte am Hals, die er hinterher los werden muss. Die Taktik die Plastiktüten hinterher als Mülltüten zu nutzen ist etwas fragwürdig, vor allem dann, wenn man am Ende der Woche mehr Plastiktüten in der Wohnung hat, als Müll der runter gebracht werden muss… Außerdem ist eine Plastiktüte am Ende immer überflüssiger Plastikmüll, der – ja, er verschmutzt unter anderem auch sehr stark die Meere. Allerdings sehe ich inzwischen überall Müll rumfliegen. Vor allem Plastiktüten. Also: Stoffbeutel einpacken! Es stört niemanden, vor allem keine Verkäufer, wenn man seine eigenen Stoffbeutel mitbringt. Auch nicht in Klamotten-Geschäften. 😉

  2. Brot nur noch in eigenen Stoffbeuteln kaufen!WP_20160613_09_11_45_ProWir haben noch keinen Bäcker getroffen, der unsere Beutel nicht nehmen wollte. Es gibt sogar eine Bäckerkette hier oben bei uns (Balzer), die vor einiger Zeit eine Aktion auf die Einlösung ihrer Bonuskarten hatte, bei der es einen Stoffbeutel geschenkt (konnte man aber auch kaufen) gab, der ausdrücklich zur Wiederverwendung benutzt werden durfte. Die Verkäuferin, die uns das erzählt hatte, erwähnte jedoch auch, dass sie zwar jede Menge Beutel rausgaben aber heute noch genau zwei ihrer Kunden diese Beutel nutzen. Man denkt ja immer, dass Papier so „recyclefreundlich“ ist, dass das schon nicht schadet, wenn man „mal“ die Papiertüten beim Bäcker nutzt. ABER: Jede dieser Tüten wird industriell hergestellt, für jede Papiertüte wird vorher ein Baum gefällt, jede Papiertüte wird bedruckt und jede Papiertüte wird am Ende im Müll entsorgt. Ganz üble Kandidaten sind die Tüten aus den Bachshops im Supermarkt, in die noch Sichtfenster aus Plastik eingearbeitet wurden. Diese kann man nur dann im Papiermüll entsorgen, wenn das Sichtfenster vorher heraus getrennt wurde. Und dann muss dieses über den Plastikmüll entsorgt werden. Puuh! Ganz schön viel Aufwand für eine Papiertüte oder? Wir haben, als wir damals anfingen nach dem Zerowaste-Prinzip zu leben, noch den Großteil unseres Einkaufs im Discounter erledigt und dort auch unser Brot gekauft. Wir haben dann einfach einen ganz großen Baumwollbeutel und einen kleinen mit gebracht und dann den kleinen als Handschuh benutzt, um das Brot aus den Backshop-Kästen heraus zu holen und es dann in den großen Beutel gepackt. An der Kasse haben sie den Beutel dann einfach oben geöffnet, die Brote gezählt und abkassiert. Da hat nie jemand etwas gesagt.
    Inzwischen kaufen wir unser Brot beim Bäcker und auch hier gibt es keine Probleme mit eigenen Stoffbeuteln. Allerdings wünscht unser Bäcker, dass die Beutel 100% fleckenfrei sind. Wenn die Beutel etwas älter sind, und sich ein Fleck eingeschlichen hat, der sich nicht mehr rauswaschen lässt, dann nutzen wir diesen nicht mehr für den Bäcker.
  3. Nur noch Wäschenetze oder Ähnliches für Obst und Gemüse verwenden!WP_20160111_11_24_40_ProAuch das war etwas was wir anfangs tatsächlich auch im Discounter und im Supermarkt gemacht haben und auch hin und wieder noch tun. Es gibt manchmal einen fragenden Blick aber im Prinzip sagt keiner was dazu und wenn, dann sind die Kommentare oftmals positiver Natur. Ich schlage deshalb Wäschenetze vor, weil sie ein sehr geringes Eigengewicht haben. Unser etwas größerer Beutel (der fasst locker 3kg Tomaten) wiegt 20g und der kleine (im Bild) 10g (der schafft auf jeden Fall noch 2,5kg Tomaten. Außerdem sind sie sehr robust und lassen sich bei sehr hohen Temperaturen waschen, wenn es mal sein muss. Anders als bei den Baumwollbeuteln haben wir hier immer alle Flecken heraus waschen können. Obst- bzw. Gemüsesorten die sehr groß sind kaufen wir grundsätzlich ohne Beutel (Kürbis, Kohl, Wassermelone, aber auch Orangen, Bananen oder Avocados).
    Obst und Gemüse lassen sich noch besser unverpackt auf dem Wochenmarkt einkaufen. Die Verkäufer auf Wochenmärkten sind es eher gewohnt die eigenen Beutel der Kunden zu benutzen. Zusätzlicher Pluspunkt: Die Wochenmarkt-Betreiber, vor allem die auf kleineren Märkten, gewöhnen sich langsam an ihre Kundschaft. Bei uns ist der Einkauf inzwischen zum Automatismus geworden und es ist nicht schlimm, wenn ich mal ohne Einkaufszettel auftauche, weil unser Verkäufer sich inzwischen selber sehr gut daran erinnert, was wir regelmäßig einkaufen. Er merkt es sich auch wenn wir wiederholt nach Lebensmitteln fragen, die er grade nicht da hat und macht uns dann drauf aufmerksam, wenn er sie dabei hat. Und manchmal, wenn ich es morgens nicht schaffe und kurz vor Verkaufsschluss auftauche, habe ich sogar das Gefühl, dass die entsprechende Menge an Tomaten und Champignions, die wir jede Woche kaufen, für mich zurück gehalten wurde… Kann aber auch Einbildung sein… ^^
  4. Die Papierverpackung wählen!WP_20160602_08_38_14_ProMehl, Zucker, Paniermehl, und Speisestärke sind so die hauptsächlichen Kandidaten, die man auf jeden Fall in einer Papierverpackung bekommt. Wie groß das Angebot dann wirklich ist muss jeder für seine Region selbst in Erfahrung bringen. Ich habe bereits Puddingpulver in einer Großpackung vollkommen aus Pappe gefunden, dann wiederum habe ich Produkte (Hefeflocken zum Beispiel) in einer Pappverpackung gekauft und musste dann zu Hause feststellen, dass es innen noch eine Plastikverpackung gab. Da muss man sich dann durch probieren. Aber es gilt Papier vor Glas und Plastik! Auf Papierverpackungen greifen wir noch öfter zurück. Hauptsächlich bei Mehl, Zucker und Haferflocken. Aber auch hier gilt: Auch Papier verursacht Müll und wird oft mit Farben bedruckt die schädlich sein können!
  5. Die Glasverpackung wählen!Gläser sind immer noch umweltfreundlicher als Plastik und man kann sie wieder verwerten.
  6. Wenn man eine Plastik-Verpackung in Kauf nehmen muss,
    kann man die Großpackung kaufen, was auch weniger Müll bedeutet. Allerdings lohnt sich das natürlich nur, wenn man das Lebensmittel auch wirklich aufbrauchen wird (Beispiel: ein 5kg Sack Kichererbsen kommt bei uns auf jeden Fall weg und den kann ich auch noch lagern, wenn ich allerdings noch einen 5kg Reis Sack dazu habe (den wir auch auf jeden Fall aufbrauchen würden), wird es mit der Lagerung eng…). Man kann sich bei sowas natürlich auch in Kauf-Gemeinschaften zusammen tun.
     
  7. Planen!WP_20160321_10_18_39_ProEinkäufe planen hilft sehr dabei Verpackungsmüll zu vermeiden. Man kann auch Spontanität planen, indem man wie in Schritt 1 immer eigene Beutel dabei hat. Einen Schritt weiter kann man gehen, in dem man zusätzlich auch noch einige leere Behälter aus Glas oder Edelstahl dabei hat. (Ich rechne da einen Behälter pro Person.) Das hilft uns vor allem dann, wenn wir kurzfristig auf eine Portion Pommes oder Gemüse mit Tofu im Imbiss einkehren. Die Kinder essen ihre Portion nie auf und so kann ich die Reste ganz bequem in unsere eigenen Behälter mitnehmen. (Edelstahl-Strohhalme und Stoffservietten habe ich für solche Aktionen auch immer dabei.)
    Eine sinnvolle Planung erstellt man anhand dessen, was man in der vergangenen Woche aufgebraucht hat.
  8. Trockenwaren in Erwägung ziehen!WP_20160523_11_11_40_Pro - KopieMan sollte es Bea Johnson nachmachen und einmal die Woche bewusst Hülsenfrüchte und Getreide in den Speiseplan einbinden. Getreide und Hülsenfrüchte sind kleine Kraftwerke und tun dem Körper sehr viel Gutes. Als ich Veganerin wurde, fand ich sowohl Getreide als auch Hülsenfrüchte nicht so besonders lecker. Aber wir haben immer wieder bewusst einige Wochen lang unterschiedliche Getreide- oder Bohnensorten getestet und inzwischen essen wir sie jeden Tag. Das tut uns sehr gut und es schont unseren Geldbeutel sehr! Außerdem lassen sich trockene Waren so wunderbar lange halten!
  9. Einkochen!
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    Hier habe ich eine größere Menge Aprikosen gekauft, außerdem kaufe ich jede Woche bewusst zu viele Äpfel und Tomaten. Aus den Äpfeln mache ich Apfelmark, aus den Tomaten wird Tomatensoße und aus den Aprikosen habe ich Marmelade gemacht. In den letzten fünf Monaten geht uns ständig die Marmelade aus, da ich keine neue nachkaufen möchte (auch wenn es sie im Glas gibt) greife ich momentan auf Früchte aus Spanien zurück, um vorerst über die Runden zu kommen. Und dann hoffe ich, dass der Sommer uns genügend Früchte und Zeit zum Einkochen beschert… ^^

    Ist vielleicht bei uns auf dem Land eher ein Thema als in der Stadt, aber ich erwähne es trotzdem: Die Zeit der Ernteschwemme liegt direkt vor uns. Wer nicht genügend Einmachgläser, Schraubgläser oder Geschirr zum einfrieren hat, sollte sich jetzt langsam besser welches organisieren. Nichts ist einfacher, köstlicher und mehr Zero-waste, als auf die eigenen Vorräte zurück greifen zu können! Allerdings solltet ihr eure Gewohnheiten gut kennen. Wenn ihr nur Sonntags ein halbes Brötchen Marmelade und einmal im Monat einen Pfannkuchen mit Apfelmus esst, braucht ihr sicher kein Regal voll haltbar gemachter Früchte. Aber wer jede Woche ein Marmeladen-Glas leer kriegt, für den lohnt es sich schon, sich einen eigenen Vorrat einzukochen. Bei uns sind jedes Jahr als erstes Erdbeeren, Stachelbeeren und Johannisbeeren dran. Dann folgen ziemlich schnell Himbeeren, Blaubeeren, Brombeeren, Äpfel (seltener auch Birnen, Aprikosen und Kirschen) und Holunderbeeren. Hin und wieder holen wir uns nach dem ersten Frost auch noch Schlehen. Kommt drauf an wie ich grade drauf bin ^^. Es muss nicht alles zu Marmelade verarbeitet werden. Apfel- und Birnenmark verwenden wir zum Beispiel regulär im Kuchen und viele Beerenfrüchte frieren wir auch ein, für Beerenkuchen im Herbst oder Winter oder für Nicecream.

  10. Auf Fertig-Nahrung verzichten – Selber kochen!Es ist ja soo viel gesünder sich selbstgemachtes Essen zur Arbeit oder auch auf Ausflüge mit zu nehmen. Sandwiches, oder auf gut deutsch Butterbrote, finde ich persönlich immer noch brandaktuell, außerdem: Reste vom Vortag, Salate aus Kartoffeln, Reis, Hülsenfrüchten… Und alles wird selbstverständlich in aufbewahrte Gläser oder in vorhandene Brotboxen oder in Baumwollbeutel verpackt. 😉
  11. Einfach mal nachfragen.Das ist so eine Sache, die ich persönlich nicht so gerne mag: Ich binde anderen Menschen irgendwie so ungern unseren Lebensstil auf die Nase. Das Schlimmste ist für die meisten schon die Erwähnung, dass wir Veganer sind („Veganer nerven…“), aber wenns dann auch noch verpackungsfrei sein soll… Oha…Das ist für sehr viele schwer zu verkraften. Es gibt auch sehr viele positive Reaktionen, aber mir wird auch ziemlich oft gesagt, dass ich meine Kinder jetzt aber wirklich zu sehr von der Gesellschaft ausschließe… ähja… dann muss ich immer wieder soweit ausholen und die Sache mit der Laktoseintoleranz erklären und die Sache mit den Hautauschlägen und dass mit den Süßstoffen und dass ich es einfach irgendwie idiotisch finde Medikamente zu schlucken, um den Industriemüll essen zu können und ich mich nicht daran beteiligen möchte, dass Müll direkt vor meiner Haustür liegt. Dann werden zwar auch immer alle in ihrer Argumentation ganz leise, aber es nervt mich einfach. Vor allem habe ich immer das schlechte Gewissen! Ich! Dabei bin ich doch diejenige die sich richtig verhält… -.- Also darum mein Rat an alle, die noch nicht so genervt sind wie ich: Redet doch einfach mal drüber! Fragt euren Spezialitäten-Stand, ob ihr eure Oliven heute nicht mal in euren eigenen Behälter bekommt, sagt im Klamotten-Geschäft gleich wenn ihr dran seid laut und deutlich, dass ihr euren eigenen Beutel mit habt, schreibt bei Bestellungen in das Feld „Sonstiges“, dass ihr einen vollkommen plastikfreien Versand und so wenig Verpackung wie möglich erwünscht (sollte dennoch alles in Plastik eingewickelt sein macht ein Foto davon und teilt es auf Facebook oder Instagram!) und klebt einen Zettel oder einen Aufkleber mit der Aufschrift „Keine Werbung, Prospekte und kostenlose Zeitungen bitte“ an euren Briefkasten. Das ist euer Recht! Ihr seid nicht dazu verdammt den Müll der deutschen Wirtschaft zu beseitigen! Natürlich ist seid ihr am effektivsten wenn ihr dabei ein zauberhaftes Lächeln auf den Lippen habt und so freundlich wie möglich rüber kommt 😉 .
  12. Thema Versand: Es gibt inzwischen einige Online-Shops, die sich auf das Thema „Zerowaste“ oder „plastikfrei“ spezialisiert haben. Diese sollten unterstützt werden! Shia hat eine Liste erstellt!
  13. Kauft euer Toilettenpapier online hier oder hier! Es ist zwar etwas teurer, aber in Deutschland zur Zeit die einzige Möglichkeit an Toilettenpapier ohne Plastik ran zu kommen. (Am besten dann gleich eine richtig große Bestellung machen, da wird’s dann wieder günstiger.) Oder, wenn ihr ganz mutig seid, tastet euch ans Bidet-System heran! Kleinere Po-Duschen, die keinen Anschluss ans Wassersystem brauchen, gibt es hier.
  14. An die Frauen: Es gibt für unsere Bedürfnisse Stoffbinden und Menstruationstassen. Lest doch hier einfach mal nach!
  15. An die Eltern von Kleinkindern:
    Unser erstes Windel-Set: Die blaue Elefanten-Windel, mit blauer Innenwindel (gehörte zu dieser Windel so dazu) und einer Einlage

    Unser erstes Windel-Set: Die blaue Elefanten-Windel, mit blauer Innenwindel (gehörte zu dieser Windel so dazu) und einer Einlage

    Die Sache mit den Stoffwindeln ist doch nicht so schwierig, wie man vielleicht immer denkt. Die Neu-Investition ist zwar teuer, rentiert sich jedoch schon nach einigen Monaten. Das Schlimmste was uns in Bezug auf Stoffwindeln passiert ist, waren die negativen Kommentare anderer Personen. Hier ist mein Artikel dazu.

  16. Findet Gleichgesinnte im Internet!Ganz super ist die Community bei Instagram, aber es gibt auch sehr schöne Gruppen bei Facebook, einige ansprechende You-Tube-Kanäle und natürlich die unermüdlichen Zerowaste-Blogger dieser Welt.
  17. Den eigenen Konsum hinterfragen!Braucht ihr wirklich alles was ihr kauft? Welche Motivation treibt euch zum Kaufen an? Würdet ihr das Geld nicht lieber behalten und davon einen tollen Urlaub machen? Oder ein neues Auto kaufen? Oder umziehen? Oder ein Haus bauen? Oder ein neues Hobby beginnen? Oder einen Kleingarten mieten? Oder einen Hund adoptieren?
  18. Nicht stressen!Man kann sein Leben nicht von heute auf morgen ändern. Bei allen Vorschlägen, die ich gemacht habe, sollte jeder dort anfangen, wo er ein umsetzbares Handlungspotenzial erkennt. Wenn man Gemüse ohne Verpackung einkaufen möchte, aber keine Beutel dafür hat, muss natürlich erst ein Beutel her. Wer bereits Wäschenetze und Baumwollbeutel im Haus hat, hat natürlich Glück und kann gleich los legen.
    Ganz vorbildlich sind die, die ihre Beutel selber aus alten Laken herstellen können, aber es gibt auch Dinge, die einfach angeschafft werden müssen. Und wenn man diese Dinge bestellen muss, dann ist das eben so.
    Ich habe mir fast alle Utensilien, die ich brauchte nach Hause bestellt, da wir draußen auf dem Land leben und nur ein Auto haben. Ich habe keinen secondhand-Laden in unmittelbarer Nähe und auch keine anderen entsprechenden Geschäfte, in denen ich mal wenigstens einfach so rumbummeln könnte um vielleicht sogar etwas Praktisches zu finden (wenn ich bummeln gehe, sehe ich nur Gras und Kühe… ^^).
    Im Prinzip hätte ich meine Baumwollbeutel auch selber nähen können, aus zahlreichen sehr gut erhaltenen Gardinen, aber als ich damals anfing, war ich im nähen noch nicht so gut, wie ich es heute bin und hätte ziemlich lange gebraucht um die Menge, die ich brauchte herzustellen.
    Jeder sollte für sich selber entscheiden wie weit er gehen möchte und was er selbst tun kann. Natürlich ist es für die Umwelt super wichtig, dass alle am besten schon gestern angefangen hätten vollkommen Zerowaste zu leben. Aber es ist auch völlig klar, dass die Umstellung eine Weile dauert. Wir sind jetzt seit über einem Jahr dabei und haben nun seit ungefähr zwei, drei Monaten endlich das Gefühl wir haben den Dreh nun raus. Aber auch uns passieren noch Pannen und wenn bei unserem monatigen Einkauf im Unverpackt-Kiel etwas Wichtiges nicht zu haben war, müssen auch wir noch auf verpackte Lebensmittel umsteigen. Trotzdem ist jede eingesparte Verpackung ein riesen Erfolg!! JEDE! 😉

Jede Umstellung braucht seine Zeit. Vermutlich wird in euren Haushalten noch lange Zeit Müll anfallen, das ist in Ordnung so. Schlimm ist nur, wenn man gar nichts macht… 😉

Allen die sich daran versuchen wollen: Finde ich toll von euch und ich wünsche euch ein gutes Gelingen! 😀 Und denkt immer dran: Bea Johnson hat keinen Unverpackt-Laden in dem sie regelmäßig einkaufen kann 😉

Edit: Ich habe grade gemerkt, dass meine Aussage unter Punkt 6. man solle besser ohne Zeitdruck einkaufen gehen, doch sehr irreführend ist. Da ich nicht möchte, dass mir wieder nachgeworfen wird, dass ich ja alle Zeit der Welt zum Einkaufen habe, weil ich „nur“ Hausfrau bin, wollte ich das gerne klar stellen: Wir gehen selten in Ruhe einkaufen. Für unsere Marktrunde haben wir nur zehn Minuten Zeit, den Einkauf im Unverpackt Kiel muss Felix in seiner Mittagspause erledigen und schafft es grade eben mitsamt Anfahrt. Die Supermarkt-Runden versuchen wir aufzuschieben so lange es geht…. 😉

7 Kommentare

  1. Hey, ich bin erst richtig seit einer Woche am recherchieren und mich umzuorganisieren, aber ich finde blogs, wie Deinen, SUUUUPER!!!!! Danke schon einmal 😊
    Ich bin in der Krankenpflegeausbildung und momentan auf der Neugeborenenstation,da merk ich das mit dem Windelaufkommen natürlich sehr😢, wobei mein Beruf ja eh eine Müllmaschine ist, aber da das aus hygienischen Gründen oft sein muss kann ich damit leben. Privat möchte ich das aber auf keinen Fall!!! Daher finde ich Stoffwindeln schon so super und möchte sie später definitiv nutzen!!!!
    Danke noch einmal für Deinen ausführlichen Bericht😊

  2. Hi, wie ihr versucht Zero Waste zu leben, finde ich toll. Und ich kenn das auch, dass sich Kinder oft vieles wünschen. Aber die Verpackung im Laden lassen finde ich auch nicht gut. Es ist zwar ein Statement, aber warum dann den „eigenen Müll“ zu Hause in Gläsern sammeln, wenn der Müll ja im Laden liegt?

  3. Was für eine tolle und ausführliche Liste. Und als Nicht-Mutter und vielleicht Halbwissenverbreiterin sage ich: ich finde das gut mit den Stoffwindeln. :)

  4. Wow, danke für diesen ausführlichen Post. Mit ein bisschen Sinn und Verstand lässt sich ja wirklich allerhand Plastikmüll einsparen. Die Verpackung einfach im Laden zu lassen, entspricht jetzt aber nicht wirklich dem Zero Waste Lifestyle, oder?

    • Hi Stephi,

      gerne :). Nein, die Verpackung im Laden zu lassen entspricht nicht dem Zero Waste Lifestyle. Wirklich Zero-waste wäre es wenn wir auf diese Produkte vollständig verzichten würden. Allerdings möchten die Kinder eben auf einige Dinge wie Pizza, Burger, Schnitzel, Chips und solche Sachen einfach nicht verzichten. Die Naschsachen aus dem Unverpackt-Laden finden sie zwar super, aber auf Dauer langweilig. Tja und die veganen Ersatzprodukte, die gibt es in unserer Region einfach (noch) nicht ohne Verpackung. Da hat man es als omnivor lebender Mensch tatsächlich einfacher. Käse und Wurst bekommt man offensichtlich leichter ohne Verpackung… Wenn ich diese Produkte jedoch kaufe und mit nach Hause nehme muss ich sie wegschmeißen. Wenn ich sie jedoch vor Ort lasse, gebe ich Rückmeldung: „Ich will die Verpackung nicht.“ Wenn das alle machen würden… Was würde dann passieren? :)

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