Zero Waste: Gestern – Heute – Morgen

 

Es ist lange her, dass du das letzte Mal etwas von mir gelesen hast. Und ehrlich gesagt, wusste ich zwischendurch auch nicht, ob ich überhaupt noch jemals irgendetwas auf diesem Blog posten würde. Ich hatte mir für dieses Jahr vorgenommen wieder aktiver auf dem Blog zu werden, wieder mehr zero waste zu leben. Doch bis der erste Beitrag zustande kam, zog dann wieder einiges an Zeit ins Land. Ich wollte diesmal erst bloggen, wenn mir klar war, wie ich das Thema Nachhaltigkeit zukünftig angehen will. Aber lass uns mal kurz in Ruhe zusammen reflektieren.

Zero Waste: Das Gestern

Als ich damals Zero Waste Home gelesen hatte, war ich völlig desillusioniert und verständlicherweise auch erstmal orientierungslos. Ich konnte das Buch auch tatsächlich nicht in einem Zug durchlesen. Nicht, weil ich keine Zeit dazu fand oder das Buch zu langweilig war. Ich gehöre eher zu der Sorte „Bingeleser“ – ich LIEBE Bücher. Lesen ist für mich wie atmen! Aber dieses Buch hat mich völlig aus dem Gleichgewicht gebracht!

Ich war zwei Wochen lang so wütend – ich konnte das Buch nicht mehr in die Hand nehmen. Wütend? Ja, auf Bea Johnson! Weil sie mir über etwas mehr als 150 Seiten alle meine Umweltsünden unter die Nase gerieben hat. Und dabei hatte ich noch einmal ungefähr genauso viele Seiten vor mir!
Was in diesem Buch steht, das müsste eigentlich fast jedem, der fähig ist seinen naturgegebenen Menschenverstand zu nutzen, von alleine einfallen. Ich bin für westeuropäische Verhältnisse ziemlich umweltbewusst aufgewachsen, trotzdem habe ich mich in ein destruktives Konsumverhalten hinein ziehen lassen. Weil es eben einfach so ist. Jeder macht es so.

Jeder macht es so. Oder?

Und natürlich war mir auch klar, dass ich nicht auf Bea Johnson wütend war, sondern auf mich. Dabei lebte ich doch schon vegan. Umweltfreundlicher war ja schon fast nicht möglich …
Nach zwei Wochen dann hatte ich mich beruhigt: Ich konnte das Buch zu Ende lesen.

Als ich es dann zu klappte, war der Plan für die Zukunft da: Ich sortierte aus und kaufte so verpackungsfrei ein, wie ich konnte. Wir trauten uns zum ersten Mal auf einen Wochenmarkt, bildeten feste Routinen, reduzierten Müll, ich begann darüber zu bloggen, wir suchten monatlich einen weiter entfernten Unverpackt-Laden auf. Wir fanden effektive Lösungen. Ich fühlte mich gut damit. Allerdings reduzierten wir nicht auf das absolute Minimum. Auf das Zero.

Im Zuge des Bloggens wurde ich auf die Zero Waste Community bei Instagram aufmerksam.
Ich hatte das Gefühl in Zugzwang zu geraten. Ich lebte definitiv nicht zero waste genug. Da gab es Leute, die nur ein Müllglas pro Monat an Müll produzierten, oder gar pro Jahr!

Total crazy oder? Nur ein Glas Müll im Monat ist schon echt eine Herausforderung für mich!

Ich versuchte, immer weniger zu kaufen, schränkte mich immer mehr ein. Die Kinder nörgelten immer mehr und mein Mann fragte mich immer wieder, warum das denn nicht so reichte, wie wir das machten?
Ich war von dem Thema völlig besessen! Ich konnte immer nur daran denken, wie schlimm es um die Welt bestellt ist, was andere dagegen tun konnten und was ich nicht schaffte.

Als mein Block für die Einkaufszettel beispielsweise leer war, kaufte ich keinen nach, weil mir das Papier zu schade war. Ich wollte stattdessen eine App dafür benutzen. Ich kam mit der App nicht klar – ich konnte einfach die Gewohnheit nicht aufbauen sie regelmäßig zu benutzen, was immer wieder dazu führte, dass ich nicht das einkaufte, was wir brauchten. Dies wiederum machte unsere Einkaufsroutine kaputt und bald stand ich wieder ständig im Supermarkt, weil unser Wochenmarkt nun mal nur einmal in der Woche im Ort ist, ich aber auf einmal wieder fast täglich einkaufen gehen musste.
Es war doch echt zum Verrücktwerden!

Und dann die Anfragen: Hätte ich nicht hier Zeit für einen Fernsehauftritt? Könnte ich nicht dort bei einem Artikel aushelfen und könnte ich nicht mal eben ein Kamerateam in meine Wohnung lassen?
Um es kurz zu machen: Ich war überfordert und pendelte mich auf der Ambitionsskala irgendwo bei „Größenwahn“ ein.
Und als dann auch noch bergeweise Plastik durch in aufwändiger Verpackung gelieferten Materials (für den Bau) unseren Haushaltsmüll flutete, war für mich erstmal Ende.

Ich bin vollkommen überwältigt von dem unerwarteten öffentlichen Interesse gewesen.

Mit dem Thema Zero Waste wollte ich erstmal nichts mehr zu tun haben. Was ich dringend brauchte war Ruhe, um alles zu überdenken. Wir haben nicht von null auf hundert wieder Müll produziert, wie es früher mal war. Aber ich hob erstmal die anstrengendsten Einschränkungen wieder auf.
Und dann kam mein neuer Teilzeitjob dazu und plötzlich waren drei Jahre um. Zero Waste – frag nicht mich!

Bist du auch manchmal überfordert von der ganzen Umweltschutz-Problematik?

Ich habe immer wieder mal Phasen gehabt, in denen ich wieder richtig aktiv Zero Waste leben wollte oder in denen ich wieder aktiv bloggen wollte. Aber ich kam irgendwie einfach nicht von der Stelle.

Fakt ist jedoch auch, dass es schwer ist einen Schritt zurück zu gehen, und einen Fehler zu wiederholen. Als ich Veganerin wurde, war es mir nicht möglich den Weg wieder zurückzugehen wegen all des Wissens in punkto Ethik, Gesundheit und Umweltverschmutzung, das ich mir zwangsweise angeeignet hatte.
Ebenso geht es mir mit dem Thema Zero Waste.

Zero Waste: Das Heute

Du siehst, ich habe mich dazu entschieden, den Weg weiter zu gehen. Allerdings nicht so wie ich es bisher getan habe. Ich lasse mir Zeit.
Wir rudern jetzt ganz langsam wieder an den Punkt, an dem wir bereits waren, bevor das Gedankenchaos ausbrach. Zu jenem Zeitpunkt produzierten wir Müll im Umfang eines gelben Sackes alle vier bis acht Wochen. Wenn grade keine Geburtstagsfeiern, große Grillgelage, Weihnachten oder andere Feierlichkeiten anfielen, klappte es sehr gut mit der Müllreduzierung. An diesem Punkt setzen wir also nun an. Wir gehen aber nicht weiter. Wir werden die Sache jetzt erstmal lange Zeit beobachten.

Des Weiteren habe ich wieder angefangen zu lesen, zu malen und zu schreiben. Das sind meine Themen. Ich kann nicht ohne. Jedoch habe ich lange Zeit darauf verzichtet, eben weil ein Buchdruck nicht umweltfreundlich stattfinden kann, weil meine Farbe nicht umweltfreundlich verpackt ist, weil für Papier immer noch Bäume sterben, weil… Da gibt es eine endlose Liste. Vielleicht ist sie auch endlich. Aber ich habe aufgehört, diesen Gedanken Raum zu geben.

Kreatives Arbeiten gehört für mich zum Leben dazu – mehr als Gartenarbeit.

Als ich meine schweren Depressionen verarbeitet hatte (ja, ich war vor sehr langer Zeit mal sehr schwer depressiv), habe ich dies durch lesen, schreiben und malen verarbeitet. Das sind meine emotionalen Vehikel geworden. Ja, ich weiß, man kann auch am Computer lesen, schreiben und malen. Aber es tut mir gut, wenn ich es nicht ausschließlich am Computer mache. Zum Tagebuch schreiben brauche ich Füller und Papier und es beruhigt mich sehr, wenn ich einen Pinsel über Papier gleiten lasse.

Ich habe beschlossen, mir das nicht nehmen zu lassen, mir das nicht schlecht reden zu lassen. Ja, dafür stirbt ein Baum. Mehrere Bäume sterben. Es gibt Umweltprobleme durch chemische Behandlungen und so weiter und sofort. Allerdings fliege ich nicht dreimal im Jahr in den Urlaub oder jette durch die Welt um vor mehreren hunderten von Menschen über Umweltprobleme zu sprechen. Es gibt viele Wege eine frohe Botschaft zu verbreiten. Und wirklich Zerowaste zu leben ist in unserer Gesellschaft kaum möglich.

Ein dritter Aspekt kam noch für mich hinzu, als mir klar wurde, dass unser Müll hauptsächlich in der Küche entstand. Doch ich gehe erst später weiter darauf ein, das würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen.

Zero Waste: Das Morgen

Rein organisatorisch betrachtet: Ich plane, einmal im Monat zu bloggen. Wie gesagt, ich möchte es langsam angehen und vor allem möchte ich wertvollen Content geben. Als ich damals soviel gebloggt habe, musste ich die Ideen regelrecht an Land zerren.

Ich möchte noch einmal betonen – ich werde kein Hardcore-Zero Waster. Es tut mir leid, wenn du nun enttäuscht bist. Aber ich möchte mich keiner weiteren Illusion hingeben. Ich schaffe es nicht, ganz zu reduzieren.Auf Instagram bin ich etwas aktiver und es lohnt sich auch ab und zu auf meinem Facebook-Account vorbei zu schauen. Außerdem habe ich geplant meinem kreativen Schaffen einen Platz im Internet zu geben. Zuerst wollte ich dies auch auf diesem Blog mit einbinden. Doch als ich auf Instagram damit anfing thematisch Kreatives und Zero Waste Zeugs durcheinander zu bloggen, hatte ich das Gefühl, das kam nicht zu gut an.

Deshalb schaffe ich hierfür zu Zeit einen neuen Blog und natürlich auch entsprechende Instagram- und Facebook-Accounts. Den Instagram- Account kannst du bereits unter @livinganasceticslife finden. Ich möchte mich dort der Frage widmen: Was kann ich erreichen, wenn ich minimalistisch und zerowaste lebe und meinen Fokus hauptsächlich auf meine kreativen Talente richte. Falls dich dieses Projekt interessiert, freue ich mich sehr, wenn du vorbeischaust.

Ich gehe das Thema also wieder an, aber dieses Mal von einer ganz anderen Seite. Ich werde darüber in einem späteren Blogartikel berichten.

Falls du Fragen bezüglich einer Kooperation hast: Ich bin grundsätzlich für alles offen, was mit den Themen Zero Waste, Nachhaltigkeit und Gartenarbeit zu tun hat. Allerdings mache ich nichts mehr kostenlos. Wenn du meinst, dein Thema passt zu meinen Themen, dann schreib mich einfach an.

Wie ist es dir mit deiner Müllreduktion ergangen? Hast du auch Probleme mit deinem Perfektionismus? Kannst du deinen Alltag vor lauter “Reduktionswahn” nicht mehr wahr nehmen? Oder klappt es gut bei dir? Hast du vielleicht Tips für mich und alle anderen Leser? Schreib sie in die Kommentare, deine Tipps und deine Probleme – gemeinsam kommen wir sicher weiter!

Ich wünsche dir alles Gute und wenn du magst, sehen wir uns in vier Wochen hier wieder!

Bis dahin – und ganz liebe Grüße,

Ilka

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Du möchtest weiter lesen? Wie wär’s hiermit:

Wieviel Minimalismus braucht ein Zerowaste-Lebensstil eigentlich?

Oder hiermit?

Zerowaste – Die Umstellung meistern und dran bleiben

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