Minimalismus, Verhaltensstrukturen

Minimalismus: Strukturiert – organisiert – minimalisiert

Oder willst du eine richtige Minimalistin werden?Du kennst diese Tage an denen du morgens grade mal Zeit hast für einen Kaffee während du dich hektisch für die Arbeit fertig machst? Meist geht es dann so weiter: Auf dem Weg zur Arbeit organisierst du dir im Vorbeilaufen dein Frühstück beim Bäcker, dass vermutlich aus lauter leeren Kohlenhydraten besteht. Du arbeitest ohne Unterbrechung bis zum Mittag, hetzt schnell in die Kantine, schlingst mit deiner Kollegin das Tagesmenü runter. Um 17Uhr ist dein Arbeitstag zu Ende. Zwischendurch hast du mehrere Becher Kaffee in dich hinein geschüttet und als du das Gebäude verlässt, überkommt dich wieder der Hunger. Doch anstatt nach Hause zu gehen, triffst du dich noch auf einen Kaffee mit deiner alten Schulfreundin. Im Idealfall nutzt du die Gelegenheit und orderst dir in dem Cafè gleich noch dein Abendbrot.

Zu Hause angekommen, sinkst du erschöpft auf dein Sofa und lässt dich vom Abendprogramm berieseln und surfst nebenher auf deinen Social-Media-Kanälen. Die Crime-Serien sind so spannend, dass du wieder einmal versehentlich bis 23:30Uhr wach bleibst. Aber egal, schließlich konntest du die Werbe-Zeit nutzen um noch einmal flüchtig den morgens vergossenen Kaffee weg zu wischen und endlich mal den Fußboden zu saugen. Das wolltest du eigentlich schon vorvorgestern gemacht haben.

Als du im Bett liegst fällt dir ein, dass du morgen die wichtige Besprechung mit der Personalabteilung hast. Verflixt! Du wolltest dafür doch unbedingt die weiße Bluse anziehen!

 

Du schälst dich noch einmal aus dem Bett, durchwühlst deinen überfüllten Kleiderschrank, nur um festzustellen, dass die Bluse dort nicht ist. Kurz nach Mitternacht findest du die Bluse in der Schmutzwäsche.
Du wirfst noch fix das Schnellwaschprogramm an – nur für die Bluse natürlich. Den Rest wirst du am Wochenende in Ruhe waschen. Allerdings weißt du jetzt noch nicht, dass du am Freitag Nachmittag spontan mit deiner Schwester zu einem Wellness-Wochenende aufbrechen wirst.

In Gedanken rechnest du aus, wie weit du das Aufstehen morgen raus schieben kannst. Wenn du ausnahmsweise mal um 06:30 aufstehst, statt um 5 Uhr? Dann kommst du zwar über eine Stunde später zur Arbeit als normal, aber du hättest auf jeden Fall genügend Zeit deine Bluse zu bügeln, dich fertig zu machen und den Termin wahrzunehmen…. Gleitzeit macht’s möglich.

Dir kommen solche Tage bekannt vor?

Du bist damit nicht allein. Die meisten Menschen haben Probleme all die Aktivitäten, die ihnen wichtig, sind unter einen Hut zu bekommen. Was ja völlig normal ist. Der Tag hat nun einmal nur vierundzwanzig Stunden, egal wie wir die Sache drehen und wenden. Wenn wir von diesen vierundzwanzig Stunden unsere idealen acht Stunden Schlafzeit abziehen, sind schon mal nur noch sechzehn übrig. Wenn wir von diesen sechzehn noch einmal acht Stunden durchschnittliche Arbeitszeit abziehen, haben wir nur noch acht Stunden. Je eine Stunde brauchen wir etwa um zur Arbeit hin und anschließend wieder nach Hause zu kommen: Nach Abzug bleiben noch sechs Stunden. Wenn du abends noch drei Crime-Serien hintereinander schaust, hast du noch drei Stunden am Tag für all den Rest übrig: Duschen, Anziehen, Stylen, Essen, Familie, Gespräche, Freizeitprogramm, Selbstverwirklichungsmaßnahmen…

Diesem Trott kannst du nur entgehen, wenn du Prioritäten setzt.

Wichtig ist, dass du dir folgende Frage stellst: Was genau ist denn wichtig? Für dich!?

 

Viele unserer Handlungen laufen auf Autopilot. Die meisten unserer Verhaltensmuster sind tatsächlich schon so alt und eingefahren, dass wir uns überhaupt keine Gedanken mehr darüber machen.

Viele meiner eigenen Verhaltensweisen beruhen darauf, dass ich die Erwartungen anderer erfüllen will – in erster Linie um Anerkennung zu erhalten. Und viele andere fest eingefahrene Verhaltensmuster zeigen mich als total chaotische Mutter, die ständig ihre Termine durcheinander bringt und morgens nach dem Aufstehen nicht weiß, was sie zuerst machen soll.
Beide Verhaltensmuster habe ich aus der Gesellschaft übernommen. Wobei ersteres auch zu einem großen Teil anerzogen ist. Minimalismus gehört selten zu unserem anerzogenen Repertoire an Verhaltensweisen.

Das chaotische Verhalten macht uns zu einem perfekten Opfer für Wirtschaftsstrategien: Wir sind so schlecht organisiert, dass wir dankbar Fertignahrung kaufen, weil wir keine Zeit zum Kochen finden. Wir kaufen im Supermarkt Angebote, von denen wir uns erhoffen sie würden uns das Leben erleichtern. Doch schlussendlich brauchen wir die meisten dieser Dinge so selten, dass wir überhaupt nicht wissen, ob ich wir sie schon zu Hause haben. Und wenn, dann nehmen sie uns in unseren Schränken Platz weg, für Dinge, die uns mehr am Herzen liegen.

Neue Wege im Alltag bereiten
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Und wie soll dir jetzt ausgerechnet ein minimalistischer Lifestyle dabei helfen Ordnung ins Chaos zu bringen?

Du solltest Minimalismus nicht einfach nur als einen Lifestyle-Trend betrachten. Wenn wir unser Leben vollstopfen mit Dingen, Tätigkeiten und Erinnerungen – wie sollen wir uns dann noch auf die konzentrieren, die uns wirklich wichtig sind? Wenn ich permanent neue Dinge lerne und erfahre, wie soll ich sie in meinem Kopf so abspeichern, dass sie mir nachhaltig nützlich sind, wenn ich einer stetigen Informationsflut ausgesetzt bin?

Minimalismus sollte für uns alle ein nützliches Tool sein, mit dem wir uns von dem “Zuviel” unserer Zeit abgrenzen. Wir können uns eine ruhige Insel schaffen, in der wir Ruhe und Frieden finden, in dem wir uns von allem Überflüssigen befreien.

Ein maßvoller Umgang mit allem ist der Schlüssel zum Erfolg.

Du kannst dein Verhalten durchbrechen, indem du folgende drei Dinge tust:

 

  1. Wenn du nach Feierabend nach Hause kommst, setze dich an deinen Küchentisch. Nicht auf das Sofa setzen! Vom Küchentisch kommst du einfach schneller wieder weg. Auf dem Sofa überfällt dich eher der Feierabend-Zustand, den man eigentlich nur noch verlässt um spät abends ins Bett zu fallen.Was steht für morgen auf dem Plan? A) Beruflich und b) Privat. Brauchst du noch etwas Bestimmtes zum Anziehen? Hast du genügend Kleingeld in der Tasche, um dir dein Frühstück und dein Mittagessen zu kaufen? Musst du bei der Arbeit wichtige Gespräche führen? Hast du morgen private Termine? Haben deine elektronischen Geräte, die du tagsüber brauchst, genügend Akku-Leistung?Als nächstes: Wie spät ist es und was kannst du heute noch alles erledigen? Wenn es erst 18:Uhr ist, kannst du noch einiges schaffen: Du könntest beginnen deine Wäsche zu waschen, deine Sachen für Morgen früh zurecht zu legen, den Kühlschrank auf seinen Inhalt untersuchen und einen Einkaufszettel fürs Wochenende schreiben.Es ist besser abends den Tag zu planen: Abends hast du noch genügend Zeit auf spontane Eingebungen zu reagieren. Wenn du dies morgens vorm Verlassen des Hauses machst, gerätst du leicht wieder unter Druck. Ich vergesse immer alles, wenn ich unter Druck gerate (Einkaufszettel, Einkaufstaschen, Termine, meinen Schal, mein Geld…).
  2. Bau dir einige Wochenroutinen ein. Ich würde es damit allerdins auch nicht übertreiben. Manch eine von uns hängt in so vielen Wochenroutinen fest, dass sie kaum noch in der Lage ist, ihren Alltag flexibel anzupassen.Also auch Routinen maßvoll und ganz nach den Prinzipien des Minimalismus einbauen: Weniger ist eigentlich immer mehr!Es gibt einige Dinge, die wöchentlich erledigt werden müssen: Einkaufen, Wohnungsputz, Wäsche machen und eventuell bügeln. Wir brauchen alle das Wochenende für diese Dinge. Vor allem dann, wenn wir zur Kategorie Eltern gehören. Es sollte nicht allzu viel deiner Zeit beanspruchen, denn du brauchst das Wochenende vor allem auch, um dich zu erholen.Ich persönlich finde, dass grade der Wocheneinkauf am Wochenende viel zu viel Zeit beansprucht. Die Läden sind oft brechend voll und außerdem treffen wir ständig jemanden, den wir kennen und quatschen uns fest.
    Da mein Mann und ich am Wochenende oft arbeiten müssen, ist es
    uns wichtig das Wochenende überwiegend frei zu halten.

    Darum versuche ich unseren Einkauf immer schon in der Woche zu erledigen. Ich teile mir unsere Erledigungen auf: Unsere unverpackten Trockenwaren kaufe ich immer wenn ich meinen Sohn zu seinem wöchentlichen Termin in die nächste Kleinstadt fahre. Der Termin dauert eine Stunde und so überbrücke ich die Wartezeit dort, indem ich in einem kleinen Naturkost-Laden einkaufe, der Getreide, Hülsenfrüchte und Gewürze unverpackt anbietet.

    Für den Rest des Wocheneinkaufs fahre ich extra los. Für uns stehen verpackungsfreies Einkaufen und Lebensmittel aus der Region weit oben auf der Prioritätenliste. Also fahre ich einmal in der Woche unseren Wochenmarkt an. Dort bekomme ich frisches Obst und Gemüse, teilweise aus der Region, einiges sogar aus dem eigenen Anbau unserer Marktleute. Direkt im Anschluss halte ich noch am Supermarkt, um all den Rest zu bekommen, den wir sonst noch brauchen und den wir nicht verpackungsfrei bekommen. Am liebsten mache ich das früh morgens vor der Arbeit. Da ist am wenigsten los. Nach einer Stunde spätestens bin ich meist mit allem durch.

    Versuche zu verhindern jeden Tag einkaufen zu gehen! Somit ist dein Kopf immer wieder mit dem Einkaufen beschäftigt, obwohl du die Zeit und deine geistigen Kapazitäten eigentlich für etwas anderes nutzen könntest. Außerdem setzt du dich immer wieder der grellen Supermarkt-Atmospähre aus – wenn du auf der Suche nach Ruhe und Achtsamkeit bist, ist das vielleicht nicht grade die beste Umgebung für dich. Zumindest nicht täglich.

    Einkaufen geht übrigens auch minimalistisch: Kaufe nur was du brauchst! Und wenn du schon dabei bist: Was hältst du davon, dir dein Frühstück zu Hause fertig zu machen und in einer Tupperdose mit zur Arbeit zu nehmen? Gute Idee? Plans mit ein!

    Minimalismus
    Minimalismus ist für viele Menschen so wertvoll geworden, weil sie durch ganz einfache Maßnahmen schnell herausfinden konnten, wohin sie sich entwickeln wollen. Mit einigen kleinen Änderungen im Alltag kann man nachhaltig eine andere Richtung einschlagen. Durch das Reduzieren auf das Wesentliche, sind wir in der Lage uns in vielen Bereichen Zeit zu schaffen, die wir wiederum für Dinge nutzen können, die wirklich in uns brennen. Außerdem schaffen wir damit Ruhe in unserem Geist.
  3. Nimm dir einige der Tätigkeiten, denen du regelmäßig nachgehst vor und reduziere sie auf ein Minimum.Wie lang sollte deine abendliche Fernsehroutine ein? Wovon hält dich deine Fernsehroutine ab? Welche Dinge sind dir eigentlich wichtiger? Wieviel Social brauchst du? Tut es dir auchmanchmal gut bildschirmfreie Phasen zu haben? Musst du wirklich an jedem gesellschaftlichen Ereignis in Nachbarschaft und Familie teilnehmen? Du musst nicht immer die Kinder deiner Freundinnen hüten. Es steht dir frei, auch einfach mal nein zu sagen. (Es sei denn, du willst es unbedingt.)Wichtig ist auch, genügend Schlaf zu bekommen. Wir unterschätzen das alle immer wieder. Grade hierhin sollte uns jedoch die Achtsamkeit des Minimalismus lenken: Kaum eine von uns hat eine Vorstellung davon, wie leistungsfähig wir überhaupt sein könnten, wenn wir ausgeschlafen sind.

    Hast du es überhaupt jemals erlebt, dass du vor dem Klingeln deines Weckers von selber aufwachst, weil du bereits ausgeruht bist? Und dass du dann auf den Wecker schaust und feststellst, du hast noch über eine Stunde Zeit bevor du anfangen musst, dich fertig zu machen?! Bist du jemals in den Genuss gekommen diese eine Stunde am Computer zu nutzen und deinen frischen wachen Geist einen Text schreiben zu lassen, der dir innere Glücksgefühle beschert? Oder konntest du jemals während des Sonnenaufgangs ohne Zeitdruck deinen Frühsport erledigen?

    Dein Verhalten kannst du schrittweise ändern.
    Es ist nicht ganz so einfach eingefahrenes Verhalten zu ändern. Aber es ist definitiv möglich!

Zusätzlicher Tipp:

Du musst dich immer fragen, wo du hin willst!

Willst du deinen chaotischen Ist-Zustand verlassen? Wenn ja, welchen Zustand willst du erreichen? Willst du einfach nur etwas organisierter sein? Willst du Zeit haben, um andere Projekte anzugehen? Brennen in dir Herzenswünsche? Willst du einfach nur morgens nicht mehr von deinem Alltag überfallen werden? Oder willst du eine richtige Minimalistin werden?

Nimm dir Zeit über diese Fragen zu reflektieren. Wenn du deine Antworten hast, und es erforderlich ist, beginne deinen Alltag Schritt für Schritt entsprechend auszurichten.


 

Es ist möglich nachhaltige Änderungen in deinem Leben zu schaffen. Sei dir sicher, ob es für dich notwendig ist. Vielleicht ist ja auch alles ok und dir gefällt einfach nur der Trend von weißen Wänden und spärlicher Wohnungseinrichtung? Wenn du wirklich eine Änderung brauchst, wirst du sie in dein Leben ziehen. Und denk daran: Minimalismus ist eher ein Tool als ein Lifestyle.

 

Alles Liebe!

 

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