Zero-Waste-Anfänger-Guide Teil 2: Verpackungsfrei Einkaufen in 3 Schritten!

Im ersten Teil des Zero-Waste-Anfänger-Guide hast du dir Gedanken über die Möglichkeiten, die dir für Unverpacktes Einkaufen offen stehen, gemacht.

In diesem Artikel gehen wir nun den nächsten logischen Schritt: Wir nehmen unsere wiederverwendbaren Behälter und Beutel, packen unseren Mut und stellen uns der verpackungsfreien Nahrungsmittel-Beschaffungsmaßnahme!


 

Verpackungsfrei Einkaufen: Die Grundlagen

 

Bevor du mit dem Shopping anfängst, versetzt du dich nun erstmal in die Lage der Person, die du darum bitten wirst, deinen Stoffbeutel oder deinen Behälter hinter den Tresen zu nehmen und die riskiert ihren Arbeitsbereich dadurch zu verunreinigen.

Auch unter Verkäufern und Verkäuferinnen kursieren viele Gerüchte darüber, dass Angestellte dafür entlassen wurden, dass sie Ware gegen die Richtlinien unverpackt verkauft haben oder dass das Gesundheitsamt auf einmal auftauchte und es Sanktionen hagelte.

Dafür will natürlich niemand den Kopf hinhalten.

Und: Viele Verkäufer haben bereits die Erfahrung gemacht, dass dem Kunden in dieser Hinsicht nicht konsequent zu trauen ist, auch wenn sich das auf beiden Seiten eine Menge Beteiligter wünschen würden.

Überleg mal: Wie viele fleckige Leinen-Beutel sind dir in deinem Leben schon begegnet?

Achte also darauf, dass all deine Beutel und Behälter picobello sauber sind!

Sehr wichtig!

Beispiel: Einkaufen beim Bäcker

 

Nachdem du dich nun auf die Bedenken auf der Verkaufs-Seite eingestimmt hast, kannst du folgende Schritte abwägen, um dennoch verpackungsfrei an dein Brot heranzukommen:

  • Du könntest bei einem deiner vorigen Einkäufe, in denen du die Verpackung des Bäckers noch annimmst, bereits mit dem Personal ins Gespräch kommen: „Ich würde so gerne Verpackungsmüll einsparen. Sagen Sie, haben sie Brotbeutel, die man wieder verwenden kann?“In diesem Fall bietest Du der Person die Möglichkeit an, einen Weg zu finden dir entgegen zukommen, so dass es in seine/ihre Richtlinien passt. Und wenn du einen Leinen-Beutel der Bäckerei erwirbst, schmeichelst du dem Betrieb weiter, in dem du für sie durch den Beutel Werbung läufst, nachdem sie dich verpackungsfrei einkaufen lassen haben. Ich habe übrigens auch solche Bäcker-Beutel.Andere Möglichkeit:„Ich möchte gerne weniger Müll produzieren, ist es möglich, dass ich meine Brötchen bei Ihnen zukünftig in meinem eigenen Leinenbeutel kaufe?“
  • Betritt den Laden, wenn du zum ersten Mal verpackungsfrei einkaufen willst, am besten, wenn grade keine anderen Kunden da sind. Dabei bist du entspannter und du läufst nicht Gefahr, dass der oder die Verkäufer/in dich schnell abspeisen will, weil sie noch eine lange Schlange an Kundschaft abzuarbeiten hat.
  • Bester Zeitpunkt, um deinen Plan umzusetzen: außerhalb der Stoßzeiten.
  • Such dir für dein Vorhaben den/die Verkäuferin, bei dem / der du häufig einkaufst und mit dem / der du sowieso schon gut klar kommst.
  • Wenn du vorher bereits mit dem / der Verkäuferin über verpackungsfreies Einkaufen gesprochen hast, dann schlag eine Brücke zu diesem Gespräch und bitte freundlich darum, deine Backwaren in deinen Beutel zu bekommen („Wir hatten doch vorgestern über verpackungsfreies Einkaufen gesprochen, darum habe ich heute meinen eigenen Brotbeutel mit gebracht…)
  • Was auch oft funktioniert (ich sage oft, aber eigentlich hat es bisher immer geklappt): „Ich hätte gern fünf Brötchen und ein Mischbrot in meinen Beutel hier.“ Den Beutel halte ich dann schon hin.In einem Laden, in dem du zuvor noch nicht einkaufen gewesen bist, kannst du den Beutel dann geöffnet über den Tresen halten. So eröffnest du dem / der Verkäufer/in von vornherein die Möglichkeit, dir das Brot in den Beutel zu legen, ohne dass er oder sie den Beutel hinter den Tresen nehmen muss. Du zeigst ganz deutlich: Ich übernehme hier die Verantwortung.
    Zero-Waste-Anfänger-Guide-2-p
    Wenn du dich immer wieder an das Thema ran wagst, baust du dir auf lange Sicht eine zuverlässige Routine auf.

Allgemein gilt, der Tresen ist die magische Grenze, was du auf deiner Seite mit deiner Ware machst, ist deine Sache.

Ein Tipp in diesem Zusammenhang, von dem ich oft gelesen habe, den ich jedoch noch nie getestet habe:

Bitte den oder die Verkäufer/in deine Backwaren einfach auf den Tresen zu legen. Dort kannst du sie dir dann wegnehmen und selber in deinem Beutel verstauen.

Zu entscheiden, welches Verhalten richtig ist, hängt von deinem Naturell und deiner Einschätzung der Situation ab.

Bevor du die Bäckerei betrittst, um deinen Plan in die Tat umzusetzen, legst du dir am besten auch eine Erwiderung zurecht, auf die du zurückgreifen kannst, wenn du eine Absage auf deine Anfrage erhältst. Und am besten überlegst du dir vorher schon, ob du dann trotzdem deine Backwaren in dieser Bäckerei in der Verpackung kaufen möchtest oder ob du dann lieber woanders dein Glück versuchst.

Du könntest zum Beispiel sagen:

„Oh, das ist aber schade, dann nehme mich mein Brot so wie üblich.“
Oder: „Das ist schade, dann möchte ich hier nicht einkaufen.“

Indem du dir vorher zurechtlegst, was du sagen möchtest, reduzierst du deine Nervosität.

Meine Erfahrung? Wir kennen eine große Bäckerei-Kette hier im Norden, die tatsächlich mit wiederverwendbaren Brotbeuteln und Coffee-to-go-Bechern wirbt und die auch ohne Probleme eigene Behältnisse befüllen. Das wissen natürlich auch die anderen umliegenden Bäckereien, die nicht zu dieser Kette gehören, das macht es insgesamt leichter. Und der Bäcker, bei dem wir hauptsächlich einkaufen gehen, ist unser Dorfbäcker. Da geht sowieso fast alles.

Wenn du dir total unsicher bist, dann such dir einen Laden, der damit wirbt verpackungsfrei seine Waren zu verkaufen. Es gibt Bäckereien und Cafès, die sogar auf den Schaufenstern mit solchen Angeboten werben.

Sobald du diese Aktion dann einmal hinter dich gebracht hast und sie in den wertvollen Fundus deiner Erfahrungen über gegangen ist, sinkt deine Hemmschwelle für den nächsten Einkauf. Und so wird es von mal zu mal einfacher. Das gilt auch, wenn du in einem Laden unverpackt eingekauft hast, der sowieso komplett pro verpackungsfrei eingestellt ist. Erfolg ist und bleibt im Kopf Erfolg.

Da die meisten Bäcker auch Coffee (oder andere Heiß-Getränke) to go anbieten, ist das natürlich die optimale Gelegenheit gleich zu fragen, ob es möglich ist Kaffee in deinen wiederverwendbaren Coffee-to-go-Becher zu bekommen.

Obiges Beispiel kannst du in jedem Laden anwenden.

 2. Unverpackt in “Nicht-Unverpackt-Läden”

 

In Deutschland gibt es kein Gesetz, das unverpacktes Einkaufen verbietet. Es gibt jedoch auch Keines, welches verpackungsfreies Einkaufen direkt unterschützt.

Wie du schon gehört und vielleicht auch schon am eigenen Leib erfahren hast, geht jeder Händler anders damit um:

  •  Manche weigern sich, aus hygienischen Gründen deine Behälter zu befüllen.
  • Für einige ist es ok, wenn die Ware auf dem Tresen übergeben wird.
  • Und dann gibt es wieder Händler, die total begeistert von deinen eigenen Behältern sind und dich auch noch für deine schönen selbst genähten oder gehäkelten Beutel loben. (Wir hatten sogar eine Situation auf dem Marktstand, in der unsere Verkäuferin vor Begeisterung erfreut ins Quietschen geriet, als ich ihr einen Mini-Baumwoll-Beutel für die Datteln reichte, die ich kaufen wollte.)

Was du tun kannst, wenn du keinen Marktstand und keinen #UV-Laden in der Nähe hast:

  • Wenn du den Mut und die Geduld hast, versuche, mit dem Personal deines Supermarktes ins Gespräch zu kommen. Vielleicht bist du erfolgreich, vielleicht auch nicht. Ich habe gehört, dass es eine müßige Prozedur ist, vor allem wenn es um das Einkaufen von Fleisch und Käse geht. Wir kaufen im Supermarkt nicht verpackungsfrei ein, außer unverpacktes Obst und Gemüse.
  • Es gibt vermehrt Supermärkte, die eigene wiederverwendbare Gemüse-Netze anbieten. Wenn du tatsächlich immer in einem solchen Laden einkaufen gehst: Was spricht dagegen, solche Netze zu kaufen und zu benutzen? (Gesehen bei Rewe)
  • Ähnlich wie mit den Gemüse-Netzen, bieten inzwischen auch einige Supermärkte ein System aus wiederverwendbaren Behältern. Diese Behälter werden hauptsächlich für den Erwerb von Käse und Wurst angeboten. So funktioniert das System:⇒ Du bezahlst beim ersten Mal einmalig Pfand für den Behälter. Beim nächsten Einkauf bringst du den sauberen Behälter wieder mit und wirfst ihn in eine Sammeltonne. Vorher zeigst du der Service-Kraft am Tresen wie viele Behälter du zurückbringst. Beim Neukauf erhältst du dann die entsprechende Menge neuer Behälter. Der Markt reinigt und desinfiziert die Behälter noch einmal, bevor sie wieder in Umlauf kommen. (Gesehen bei Frauen Edeka)
  • Einige Märkte, in denen man Obst und Gemüse noch selber abwiegen muss, bieten an der Waage die Option, seine eigenen Beutel, abzuwiegen. Es ist also in diesen Märkten ausdrücklich erlaubt seine eigenen Behälter mitzubringen. Guck dir die Waagen deines Marktes mal ganz genau an, und frag dann vorsichtshalber noch eine Service-Kraft, ob es tatsächlich erlaubt ist, eigene Beutel zu benutzen. (Gesehen bei Frauen Edeka)

Das sind Erfahrungswerte, die wir beim Einkaufen in den Supermärkten in unserer Region gesammelt haben. Hauptsächlich bei Rewe und Edeka. In Discountern gehen wir nicht mehr einkaufen, weil es sich für uns nicht lohnt. Die meisten Discounter in unserer Region bieten so gut wie keine veganen Ersatzprodukte an. Da diese einige der wenigen Lebensmittel sind, die wir noch verpackungsfrei kaufen und sie dort sowieso nicht bekommen, sparen wir uns den Weg. Ich kann also leider keine praktische Erfahrung für das verpackungsfreie Einkaufen im Discounter vorweisen.

Auf meinen Instagram-Beitrag zum Thema hatte sich jedoch eine Leserin gemeldet und mitgeteilt, dass sie erfolgreich bei Aldi einige Lebensmittel verpackungsfrei einkaufen konnte.

 

3. Routinen einführen

 

„Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.“

Franz Kafka

 

Mit all den Informationen, aus diesem Artikel, bist du jetzt gerüstet, um deine ersten Erfahrungen im unverpackten Einkaufen zu sammeln.

Sortiere deine wiederverwendbaren Behälter und Beutel durch: Du kannst nur wirklich saubere und heile Gefäße verwenden. Ein Beutel, aus dem sich ein uralter Kaffeefleck nicht mehr raus waschen lässt, ist für einen Verkäufer kein vertrauensvoller Anblick. Also benutze ihn nicht, zum direkten Einfüllen von Lebensmitteln.

Wenn du in einen Unverpackt-Laden gehst, kläre vorher ab, ob du deine Behälter bereits zu Hause abwiegen darfst. Das spart Zeit. Weitere Zeit-Spar-Tipps findest du hier.

Wichtig ist, dass du dir ab jetzt neue Routinen angewöhnst.

  • Unterwegs holst du dir ständig irgendwo einen Coffee-to-go? Nimm ab jetzt immer deinen wiederverwendbaren Coffee-to-go-Becher mit. Oder nimm dir die Zeit, setze dich ins Cafè und genieße einen heiß gebrühten Kaffee in einer echten Porzellan-Tasse!
  • Wenn du weißt, dass du in jeder Mittagspause in den kleinen Supermarkt unten an der Ecke läufst, dann hast du ab jetzt immer deine Beutel dabei. Und wenn du dort in eigenen Behältern einkaufen kannst, hast du diese am besten auch immer dabei.
  • Du knallst dir nach der Arbeit immer wieder heißhungrig ein Fertig-Gericht in den Backofen? Stattdessen könntest du dir angewöhnen vorzukochen oder dein Essen morgens soweit vorzubereiten, dass es höchstens zwanzig Minuten kocht. (Tipps zur Zeitersparnis beim Kochen, habe ich in diesem Artikel zusammen gefasst.)

Und das ist schon das große Geheimnis: Trage selber die Verantwortung über dein Einkaufsverhalten und überlasse es nicht deinem Supermarkt!
Zieh dir den Lifestyle, den du leben willst, in deinen Alltag! Du schaffst das!

Hier geht es zum ersten Teil meines Zero-Waste-Anfänger-Guide. Eine Liste zum verpackungsfreien Einkaufen, habe ich hier schon einmal erstellt. Außerdem kann ich dir diese zwei Artikel zum Thema sehr empfehlen:

https://www.smarticular.net/verpackungsfrei-einkaufen-auch-ohne-unverpackt-laden/

 

Unverpackt einkaufen ohne Unverpackt-Laden: Müllfreie Alternativen im Supermarkt und Co

Hat dir der Beitrag gefallen? Dann teil ihn doch!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.