Keine Zeit für Zero-Waste?

Ich habe keine Zeit für Zero-Waste – von Prioritäten und Mind-Set-Fragen

Du würdest zwar in Bezug auf Nachhaltigkeit gerne etwas in deinem Leben ändern wollen, aber dir fehlt bei allen guten Vorätzen wirklich die Zeit dafür? Bei dir ist der Wille auf jeden Fall da, aber dein Terminkalender ist einfach zu voll! Du bist zu beschäftigt, zu ausgebucht oder in deinem Freundeskreis zu gefragt, um deinen Lebensstil zu ändern? Du hast keine Zeit, egal wie gern du sie dir nehmen würdest?


Ich bin vor kurzem erst wieder in einem Seminar auf dieses Prioritäten-Problem gestoßen. Nicht im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit. Bei mir lautete die Frage eher: Warum hast du keine Zeit deine Blogartikel zu schreiben? Ähm, ups, keine Zeit? Ähä…

Dabei fiel mir glatt wieder ein, dass das die Nummer 1-Ausrede ist, die ich ständig höre, wenn es um Nachhaltigkeit geht (im Übrigen auch um gesunde Ernährung, aber anderes Thema…).

◾️ Ich habe keine Zeit für Zero-Waste, denn das Einkaufen im                           Unverpackt-Laden dauert viel zu lange.

◾️ Ich habe keine Zeit mir meine Waschmittel selber zu machen,                        ich muss den ganzen Tag arbeiten.

◾️ Ich habe keine Zeit mir mein Essen selber zu kochen.                                     Schließlich bin ich die ganze Zeit unterwegs.

Hörst du dich selber in diesen Aussagen? Willst du etwas daran ändern? Dann lies weiter!

Ich habe keine Zeit heißt übersetzt:

Es ist nicht meine Priorität.

Und es ist ok. Es ist ok, wenn dir andere Dinge wichtiger sind.

Aber: Wenn du dich auf meine Website verirrt hast, geht dir Nachhaltigkeit vermutlich nicht ganz am Allerwertesten vorbei, sonst würdest du ja diesen Artikel nicht lesen – oder?

Lass uns mal kurz drüber sprechen:

Wenn wir sagen, wir haben keine Zeit für etwas (Sport, gesunde Ernährung, einen gut geplanten Einkauf im Supermarkt), dann meinen wir eigentlich etwas ganz Anderes. Die Floskel „ich habe keine Zeit“ ist zu einem Synonym geworden, mit dem wir eigentlich sagen: Es ist nicht meine Priorität.

Tätigkeiten, die wir durch die „Ich-habe-keine-Zeit“-Strategie vernachlässigen sind oft Dinge, die uns eigentlich wichtig sind oder von denen wir wissen, dass sie uns wichtig sein sollten. Nicht selten begleitet uns auch jedes Mal, wenn wir sagen: “Ich habe keine Zeit“, ein schlechtes Gewissen. Bei mir ist es zumindest so.

Mit „Ich habe keine Zeit“ tarnen wir:

  1. dass wir keine Lust haben,
  2. dass wir keine Ahnung haben, wie wir das Thema anpacken sollen,
  3. dass uns die Situation, die wir angehen sollten überfordert,
  4. oder dass wir Angst vor Veränderung haben.

Oft ist es auch eine Mischung aus all diesen Gründen.

1. Ich habe keine Lust

Wenn du einfach keine Lust hast, dein Leben zu verändern, du jedoch insgeheim von einem minimalistischen Zuhause träumst, wird es dir helfen, wenn du dich intensiver mit dem Thema beschäftigst.

Du könntest dir You-Tube Inspirationen zu den Themen „Zero-Waste“ und „Minimalismus“ anschauen. Da gibt es eine ganze Menge guter Videos. Oder du könntest eines der unzähligen Bücher, dass es inzwischen auf dem Markt gibt, durchlesen. Oder du forschst online auf den vielfältigen Zero-Waste-Blogs nach.

Keine Zeit für Zero-Waste?
“Für Zero-Waste habe ich keine Zeit?” Oder denkst du nur, du hast für Zero-Waste keine Zeit?

 2. Ich habe keine Ahnung, wie ich das Thema anpacken soll

Wenn dich die Situation so sehr überwältigt, dass du nicht weißt, ob du zuerst deine Wohnung minimalisieren oder Rezepte mit verpackungsfreien Zutaten austesten sollst, ist es am einfachsten dir erst einmal einen Bereich auszusuchen, der für dich am leichtesten zu händeln ist.

Hier kannst du schnell Erfolge einfahren und bleibst motiviert.
Wenn du allerdings in einer so vollgestopften Wohnung lebst, dass du keinen klaren Gedanken mehr fassen kannst, ist es wohl einfacher, mit dem Entrümpeln zu beginnen.

Nach meiner Erfahrung wird es leichter seine Prioritäten heraus zu kristallisieren, wenn man sein Leben einmal gründlich „ausmistet“. Nicht nur die Wohnung. Unsere Vorlieben, Verabredungen und Hobbies haben oftmals den gleichen Charakter wie ein vollgestopftes Zuhause: “Soviele, dass man den Überblick verliert und am Ende keine Zeit hat, sich darum zu kümmern.“

Klar, wie soll man denn in dem Chaos auch den Anfang finden?

Wenn wir einmal Grund in unser Leben bringen, in das Chaos zuhause gleichermaßen wie in das Chaos in unseren Freizeitbeschäftigungen, klären sich unsere Ziele ganz automatisch.
Die hektischen Gedanken, die sich immer wieder um das „Ich muss noch“ drehen (Ich muss noch den riesen Stapel Altpapier entsorgen, ich muss noch all meine kaputten Elektro-Geräte zum Recyclinghof bringen, ich muss noch alle meine Bücher vernünftig wegräumen, ich muss noch ein neues Regal kaufen…), nehmen in unseren Gedanken viel zu viel Platz ein und blockieren andere Gedanken in ihrem Entstehen.

3. Mich überfordert die Situation

Mal eben sein Leben umzukrempeln und auf nachhaltig einzustellen, kann auf den ersten Blick wie eine nicht zu bewältigende Aufgabe aussehen. Vor allem wenn du auf dem Land lebst, du keinen Zugang zu einem Unverpackt-Laden hast und mit dem Auto zur Arbeit fahren musst.

Aber auch in diesem Fall gilt: Mach kleine Schritte. Wenn du das Gefühl hast, du kannst durch die Umstellung deiner Gewohnheiten erst einmal nicht viel tun, könntest du ja zuerst anfangen minimalistischer zu leben.

Die besten Ideen kommen erst, wenn der Kopf frei ist.

4. Angst vor Veränderung

Es ist ganz normal vor einer großen Veränderung zurück zu schrecken. Unverpackt einkaufen zu gehen erfordert oft viel Kommunikation mit den Händlern. Wenn man eher introvertiert ist und es vermeidet so viel mit fremden Menschen zu reden, ist es völlig normal, dass du erst einmal davor zurück schreckst. (Was du tun und sagen kannst beim unverpackten Einkaufen, habe ich in diesem Artikel für dich zusammen gestellt.)

Es ist auch kein Zuckerschlecken die ersten Schritte in ein mimimalistischeres Leben zu gehen. Es erfordert viel Organisation, Konzentration ganz zu schweigen von dem Zeit- und Kraftaufwand, die für eine Minimalisierung deines Haushaltes notwendig sind. Dass du nicht gleich voller Freude in die Luft springst ist völlig normal.

Es sagt jedoch auch niemand, dass deine Wohnung bereits morgen minimalistischen Ansprüchen genügen muss. Du kannst dir beispielsweise auch einfach Schublade für Schublade vornehmen und dich so ganz entspannt durch die Wohnung arbeiten.

Wenn der Anfang erst einmal gemacht ist, rutscht der Rest meist ganz von alleine nach.

Wie du Umweltschutz zu deiner Priorität machst

Wir wissen zwar alle, dass es da wirklich nicht tragbare Zustände auf der Welt gibt, aber wenn wir mal ehrlich sind, wissen wir nicht ganz genau, was da so schlimm sein soll. Und eigentlich wollen wir es auch nicht so genau wissen oder? Falsch.

So machst du Umweltschutz, soziale Ungerechtigkeit und Tierleid zu deinem Thema:

  • Folge auf Socialmedia Kanälen wie Greenpeace oder Utopia. Hier bekommst du regelmäßig Inputs zur aktuellen Situation auf der Welt in Bezug auf Umweltverschmutzung, Verletzung der Menschenrechte und Tierleid. Die permanente Konfrontation mit den aktuellen Gegebenheiten, hilft dabei, sich konsequent mit der Materie zu befassen.
  • Visualisiere dein nachhaltiges Leben: Wie sieht dein nachhaltiges Leben aus? Fährst du jeden Tag mit dem Rad zur Arbeit? Lebst du vegetarisch oder vegan? Hast du ein minimalistisches Zuhause? Träumst du von einem Tiny-Haus?

Was könnten deine neuen Prioritäten werden?

Wenn du dir ganz genau ausmalst, wie du aktiv nachhaltig leben willst, kannst du konkret handeln. Schreib dir ruhig auf, wie du dir dein Leben wünschst. Erst wenn du einen Plan hast, weißt du, wohin die Reise gehen soll. Und erst dann kannst du sinnvolle Aktivitäten folgen lassen.

Und wenn das alles nicht hilft:

Was könnte der Grund dafür sein, dass ein nachhaltiges Leben keine Priorität für dich ist? Warum willst du Nachhaltigkeit nicht zu deiner Priorität machen?

Was sind die Dinge, die dir wichtiger sind, als ein nachhaltiges Leben? Wenn du dir mehr Zeit und mehr Geld wünschst, warum scheust du dann immer noch vor einem Lebensstil zurück, der verspricht, dir beides zu bescheren? Hier habe ich bereits einmal über Möglichkeiten zur Zeitersparnis zum Thema Zero-Waste geschrieben.

Ausweichen vermeiden

„Ich möchte mich damit jetzt nicht befassen“ – damit meinen wir eigentlich: “Mir ist der nächste Schritt nicht klar” oder “Ich möchte nicht auf Dinge verzichten, die mir wichtig sind”. Normalerweise stecken wir in solchen oder ähnlichen Gedankenmustern. Das ist ganz normal. Doch du kannst dich daraus befreien.

Du könntest dich fragen: Könnten mir vielleicht andere Dinge wichtiger werden, als die, denen ich bisher Prioritäten eingeräumt habe? Denn eine Verschiebung der Prioritäten findet meiner Erfahrung nach immer statt, wenn wir den Mut haben uns auf neue Abenteuer einzulassen.

Ich persönlich verschiebe meinen Fokus nur ungern. Was das Heraustreten aus der Komfortzone betrifft, darf ich dir hiermit offiziell mitteilen: Ich bin der Obermuffel im Ändern von Prioritäten!
Meinen Alltag verändern? Ich versuche, seit fünf Jahren morgens weniger als 45 Minuten zu brauchen, bis ich wach werde. Es ist egal, wie lange ich durchschlafen kann – ich brauche jeden Morgen 45 Minuten, bis ich in der Lage bin, den vor mir liegenden Tag zu betrachten. Ich kann es einfach nicht ändern! Oder doch nicht?

Dir schwant, ich werde jetzt berichten, dass ich doch anders kann. Ja, kann ich: Wenn mich innerlich etwas so ungestüm nach Vorne zieht, dass mein morgendliches Dahindümpeln zweitrangig wird.

Meiner Meinung nach kann man für jedes Thema eine Begeisterung finden, wenn das eigene Belohnungssystem mitarbeitet.

Wie kannst du also dafür Sorgen, dass dein Belohnungssystem anstatt bei veganer Haselnuss-Schokolade auf einmal bei unverpackten Lebensmitteleinkäufen ausflippt?

Um die Kinder bei der Stange zu halten, sind wir direkt nach dem Einkaufen im Unverpackt-Laden immer in ein super leckeres veganes Restaurant gefahren und haben uns dort durch die leckersten Torten und veganen Burger geschlemmt. Die Kinder freuen sich immer noch auch die Einkäufe in diesem Unverpackt-Laden, weil die Verknüpfung zu diesem Laden noch vorhanden ist.
(Diese Verknüpfung wirkt übrigens nicht nur bei den Kindern.)

Wenn du eine nachhaltige Routine aufbauen willst, dann mach etwas Wunderbares daraus. Etwas Besonderes. Gönn dir eine tolle Seife oder triff dich zum unverpackten Einkaufen mit Freunden, die du schon lange nicht mehr gesehen hast. Geh anschließend lecker essen oder mach einen schönen Tagesausflug aus der Anreise zum Unvperackt-Laden.

Woher kommt deine negative Einstellung zum nachhaltigen Leben?

Eine weitere Möglichkeit, dich mit der Priorität Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen ist, dass du dir einmal alle negativen Gedanken, alle Vorurteile und insgesamt alles Blockierende zum Thema Nachhaltigkeit von der Seele schreibst.

Leg los: Warum hast du für Nachhaltigkeit keine Zeit? Was ist so doof daran? Was an dem Thema hält dich auf? Wieso kannst du es nicht für dich umsetzen?

Wenn du dich aktiv darauf einlässt, dich mit dem Thema zu befassen, könnte es durchaus passieren, dass sich auf einmal ungeahnte Wege auf tun. Probier es mal aus. Nimm dir für den Anfang zehn Minuten Zeit. Das sollte reichen, um mal mit dir selbst ins Zwiegespräch zu kommen. Du wirst sicher schnell eine grobe Intention erhalten, die für deine Nachhaltigkeits-Blockaden zuständig sind.

Du kannst sie bewältigen. Akzeptiere es einfach. Forme deine schlechten Gedanken um.

Wenn einer deiner negativen Gedanken „Nachhaltigkeit funktioniert sowieso nicht, weil ich ständig meine Beutel vergesse“, ist, sagst du stattdessen:

„Nachhaltigkeit funktioniert für mich, wenn ich meine Einkaufstaschen dabei habe.“

Wenn einer deiner negativen Gedanken „Mein Mann wird niemals vegetarisch leben“, ist, dann mach dir klar: Er muss dafür kein Vegetarier werden. Viel mehr könnt ihr Nachhaltigkeit zu einer gemeinsamen Reise machen. Stellt eure Lieblingsgerichte und Lieblingsaktivitäten in den Vordergrund und baut euch aus eurem nachhaltigen Leben ein Gerüst, dass eure Lieblingsaktivitäten stützt.

Für solche umformenden Gedanken setze ich mir übrigens eine Erinnerung ins Handy. Ich habe zum Beispiel morgens um 10:30 Uhr einen Wecker, der mir sagt: „Ich erwarte stets das Beste vom Leben.“ Aus gegebenem Anlass.

Probiere es mal aus.

Ist Nachhaltigkeit deine Priorität? Oder sieht die Sachlage bei dir ganz anders aus? Schreibs mir!

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